Pressemitteilung

Artenschutz
  • 09.09.2015

Besenderter Luchs Friedl auf großer Wanderschaft durchs ganze Land

Wie von anderen Wildtieren auch gibt es vom Luchs keine stabile Population mehr in Baden-Württemberg. Vor fünf Monaten war ein zugewanderter Luchs im Mittleren Schwarzwald aufgetaucht. Expertinnen und Experten des Landes hatten das Luchsmännchen mit einem Halsbandsender ausstatten können. Das Tier mit dem wissenschaftlichen Namen B415 hat den Namen Friedl bekommen. Nach längerem Aufenthalt im Schwarzwald hat sich Friedl in den letzten drei Wochen über weite Strecken bewegt, wie die SMS-Nachrichten zeigen, die regelmäßig seinen Aufenthaltsort übermitteln.

„Die bisherigen Daten zeigen, dass der Luchs sich vom Mittleren Schwarzwald bis nach Ulm und von dort aus weiter Richtung Stuttgart bewegt hat. Das zeigt uns, wo sich Wildtiere in unserer Landschaft gut bewegen können und wo sie auf Barrieren treffen. Autobahnen sind beispielsweise für viele Tiere ein unüberwindbares Hindernis. Die Daten aus dem Luchsmonitoring leisten einen wertvollen Beitrag, um die Durchlässigkeit der Landschaft für Wildtiere besser zu verstehen – und verbessern zu können, beispielsweise durch Grünbrücken über große Straßen. Grünbrücken schützen auch Autofahrer vor gefährlichen Zusammenstößen mit Wildtieren. Wir können hier wertvolle Erkenntnisse sammeln, die so in keinem Lehrbuch stehen. Das ist nur möglich, weil sich streng geschützte Wildtierarten wieder bei uns heimisch fühlen“, sagte Naturschutzminister Alexander Bonde am Mittwoch (9. September) in Stuttgart.

Ein Ziel der Besenderung ist es, die Gewohnheiten dieser scheuen Tiere zu erforschen. „Wir wollen feststellen, ob Luchse länger bei uns bleiben oder weiterziehen, und welche Wege sie dabei nutzen“, erklärte der Wildtierexperte Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Nach der Besenderung durchstreifte der Luchs zunächst den Mittleren Schwarzwald und nutzte dabei regelmäßig eine Fläche von über 200 Quadratkilometern. Danach begab er sich auf weite Wanderschaft nach Osten. Nachdem der Luchs die A81 vermutlich unter der Neckartalbrücke querte und auf die Schwäbische Alb zog, war er am 3. September schließlich vor den Toren Ulms angelangt. „In Ulm stand Friedl vor der ersten wirklich großen geschlossenen Siedlung auf seiner Wanderung, kehrte um und zog anschließend in nordwestlicher Richtung entlang der Autobahn A8 bis Weilheim unter Teck – dem bisher letzten Peilpunkt“, sagte Herdtfelder. Es sei nicht erstaunlich, dass das Tier nach vier Monaten im Schwarzwald weitergewandert sei. „Luchse sind zwar Einzelgänger, sie suchen aber doch die Nähe von Artgenossen des anderen Geschlechts“, erklärt Herdtfelder. Da die weiblichen Tiere aus dem Schweizer Jura jedoch in ihrem Ausbreitungsverhalten deutlich zurückhaltender als die Männchen sind, wurde schon mehrfach beobachtet, dass männliche Tiere nach einer gewissen Zeit weiterziehen. Da die heimlichen Tiere dabei kaum gesehen werden, konnte dabei allerdings nur sehr selten der Weg der Tiere nachvollzogen werden. „Wir verfolgen die Bewegungen des Luchses sehr gespannt und hoffen, dass er weiterhin so geschickt die Straßen quert wie bisher und noch lange seine Daten an uns senden wird“, so Herdtfelder. Bis April 2016 soll der Sender noch Daten schicken, bevor sich das Halsband automatisch löst und Friedl wieder unbeobachtet seiner Wege ziehen wird.

Zuvor waren im letzten Winter drei Luchse im Schwarzwald nachgewiesen worden, von denen zwei sicher aus dem Schweizer Jura zugewandert waren. Dabei handelte es sich stets um Einzeltiere, es gibt derzeit keine stabile Luchspopulation im Schwarzwald.

Hintergrundinformationen:

Die aufgezeichneten Wanderungen von Friedl können der beigefügten Karte entnommen werden. Durchgängig eingefärbt sind Aufenthaltsgebiete und Wanderwege des Luchses. Die Punkte südlich des Oberrheins sind im letzten Sommer nachweislich von B415 aufgesucht worden. Der Weg von der Schweiz bis in den Mittleren Schwarzwald ist nicht bekannt.

Die Patenschaft für Friedl hat der Landesjagdverband Baden-Württemberg übernommen.

Luchse erreichen die Größe eines Schäferhundes, haben einen kurzen Schwanz und charakteristische Ohrpinsel. In ihrem Streifgebiet von bis zu 300 Quadratkilometer erbeuten sie hauptsächlich Rehe und Gämsen, gelegentlich auch Füchse und andere Säugetiere. Übergriffe auf Nutztiere werden durch private Verbände entschädigt. Dem Menschen gegenüber zeigt sich der Luchs äußerst selten. Kommt es zu einer Begegnung, so zieht sich der Luchs schnell zurück. Hinweise auf Luchse nimmt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg jederzeit unter der Nummer 0761/4018-274 entgegen.


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