Pressemitteilung

Landesnaturschutzpreis
  • 28.03.2015

Minister Bonde: „Streuobstwiesen sind ein wertvolles Natur- und Kulturerbe des Landes, das unser Engagement verdient“ / 17. Landesnaturschutzpreis verliehen

  • Naturschutzminister Alexander Bonde bei der Verleihung des 17. Landesnaturschutzpreises am 28. März 2015 in Stuttgart - hier für das Projekt Streuobstwiesen im Remstal (Quelle MLR/Dirk Wilhelmy).

    Naturschutzminister Alexander Bonde bei der Verleihung des 17. Landesnaturschutzpreises am 28. März 2015 in Stuttgart - hier für das Projekt Streuobstwiesen im Remstal (Quelle MLR/Dirk Wilhelmy).

Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg verleiht alle zwei Jahre den
Landesnaturschutzpreis. Der diesjährige Landesnaturschutzpreis steht unter dem Motto „Vielfalt in Streuobstwiesen – Wir machen mit!“. Mit dem 17. Landesnaturschutzpreis zeichnet das Land Initiativen von Bürgerinnen und Bürgern aus, die sich für den Erhalt und die Pflege der Streuobstwiesen einsetzen.

„Mit dem diesjährigen Landesnaturschutzpreis würdigt die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg das beispielhafte Engagement von Naturschützerinnen und Naturschützern zum Erhalt der Streuobstwiesen und zur Verbesserung der biologischen Vielfalt in diesem Lebensraum. Ich freue mich sehr, dass sich so viele Menschen in unserem Land für den Schutz der Streuobstwiesen einsetzen – beispielsweise in der Schule und im Kindergarten, in Keltereien sowie in Streuobstinitiativen und in Vereinen. Die heute ausgezeichneten Preisträgerinnen und Preisträger haben eines gemeinsam: Ihnen allen liegt der Erhalt und der Schutz der faszinierenden Streuobstwiesen in Baden-Württemberg sehr am Herzen“, sagte Naturschutzminister Alexander Bonde am Samstag (28. März) in Stuttgart. Bonde zeichnete als Vorsitzender der Stiftung Naturschutzfonds die Preisträgerinnen und Preisträger mit dem Landesnaturschutzpreis aus.

Preisträgerinnen und Preisträger aus ganz Baden-Württemberg

Die rund 130 eingegangenen Bewerbungen stellen laut Bonde eindrucksvoll unter Beweis, wie groß das bürgerschaftliche Engagement in Sachen Streuobst im Land ist. „Ich freue mich sehr, dass es über das ganze Land verteilt engagierte Menschen und vielfältige Aktivitäten gibt, die dazu beitragen, diesen artenreichen Lebensraum zu erhalten. Europaweit finden wir in unserem Bundesland die flächenmäßig größten Bestände an Streuobstwiesen. Mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa und sind wertvolles Gen-Reservoir für rund 3.000 Obstsorten. Streuobstwiesen sind außerdem touristisch attraktive Kulturlandschaften, die das baden-württembergische Landschaftsbild prägen“, machte der Minister deutlich.

Grün-rote Landesregierung honoriert Engagement für Streuobstwiesen

Bonde wies darauf hin, dass viele Streuobstwiesen heute akut bedroht seien. Ziel der Landesregierung sei es daher, die Streuobstwiesen im Land zu erhalten, deren Bewirtschaftung zu fördern und alle, die sich für den Schutz und Erhalt der Streuobstwiesen stark machen, gezielt zu unterstützen. „Mit der Streuobstkonzeption Baden-Württemberg bündeln wir unsere Maßnahmen für mehr Reichtum und Vielfalt der Streuobstlandschaft. Mit ihr zeigen wir außerdem die wesentlichen Handlungsfelder auf, die zum Erhalt der Streuobstwiesen beitragen – vom fachgerechten Baumschnitt bis zur Vermarktung“, sagte Bonde. Abschließend dankte der Minister allen Preisträgerinnen und Preisträgern für ihr Engagement für die Streuobstwiesen in Baden-Württemberg.

Hintergrundinformationen:

Der 17. Landesnaturschutzpreis, der unter dem Motto „Vielfalt in Streuobstwiesen – Wir machen mit!“ steht, wird von der Stiftung Naturschutzfonds alle zwei Jahre vergeben. Er ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. In der Regel wird das Preisgeld auf mehrere Preisträgerinnen und Preisträger aufgeteilt. Im Dezember 2014 wählte der Stiftungsrat die nachfolgend genannten zwanzig Preisträger aus, die am 28. März 2015 in Stuttgart ausgezeichnet wurden und jeweils 1.000 Euro Preisgeld erhalten.

Hinweis für die Redaktionen: Fotomaterial von der Verleihung des Landesnaturschutzpreises können Sie gerne bei der Pressestelle unter 0711-126 2355 und 0711-126 1030 anfordern. Die Fotos werden im Laufe des 29. März zur Verfügung stehen.

Informationen zur Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg finden Sie unter:
www.stiftung-naturschutz-bw.de

Informationen zum Naturschutz finden Sie außerdem auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr.baden-wuerttemberg.de.
Die „Streuobstkonzeption Baden-Württemberg – Aktiv für Reichtum und Vielfalt unserer Streuobstlandschaften“ kann unter www.mlr-bw.de heruntergeladen und über den Broschürenservice des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr-bw.de > Unser Service > Broschüren bestellt werden.
Mehr Informationen erhalten Sie auf dem Streuobstportal der Landesregierung unter www.streuobst-bw.info oder unter 0711/126-2185. Weiterführende Informationen zu den Fördermaßnahmen sind unter www.streuobst-bw.info > Förderung abrufbar.

17. Landesnaturschutzpreis: Preisträgerinnen und Preisträger sowie Kurzbeschreibungen der ausgezeichneten Projekte

Biotopschutzbund Walldürn e. V. (Neckar-Odenwald-Kreis):
Streuobstwiese Löschenacker – Arche Noah für alte Obstbaumsorten
Auf 1,4 Hektar bietet der Verein Heimat für rund 130 historische Apfel- und Birnensorten, die 2009 gepflanzt wurden. Eine Heckenpflanzung entlang der Wiese sowie zahlreiche angebrachte Nisthilfen tragen dazu bei, vielfältiges Leben auf der Wiese zu fördern. Bemerkenswert ist, dass die Streuobstwiese in einen ganzen Verbund von Biotopen eingebunden ist, die vom Verein betreut werden. Inzwischen haben sich bereits mehrere Initiativen das Projekt als Vorbild genommen.

Bund Naturschutz Alb-Neckar e. V. (BNAN), AG Remstal (Rems-Murr-Kreis):
Streuobstmodellprojekt „Gänsrain / Alter Hau“ bei Berglen-Oppelsbohm

2003 begannen der BNAN und seine Partner ein rund vier Hektar großes verwildertes Streuobstgebiet wieder einer Nutzung zuzuführen. 2005 begannen sie mit der Erstpflege und mit einer Beweidung der Flächen. 2008 führten sie eine große Pflegeaktion gemeinsam mit dem Jugendzeltlager des BNAN e. V. durch, das seit vielen Jahren von der Stiftung gefördert wird. Ein Erfolg des Projekts ist, dass sich die Artenvielfalt auf den Wiesen wieder auf einem hohen Niveau befindet. Auch gibt es bereits mehrere Nachahmer dieses Projekts.

BUND Ortsgruppe Ravensburg (Landkreis Ravensburg): Streuobstvielfalt – vom Bäume pflanzen bis zum Saft im Keller und
Edith-Stein-Schule (Landkreis Ravensburg: Vergrößerung der Streuobst-Hochstammbestände im Kreis Ravensburg

Diese beiden Initiativen werden gemeinsam ausgezeichnet, da sie über die Jahre hinweg eine sehr enge Kooperation aufgebaut haben.
Das Projekt des BUND ist Vorreiter vieler anderer Aufpreisinitiativen. Bereits 1988 in Markdorf begonnen, wurde es 1992 auf die Region ausgedehnt. Zwischenzeitlich hat es eine sehr hohe Breitenwirkung entfaltet: 150 Landwirtinnen und Landwirte nehmen mit 250 Hektar Streuobstwiesen teil, auf denen 18.000 hochstämmige Obstbäume stehen. Durch zahlreiche Aktivitäten wie beispielsweise Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungsarbeit ist das Projekt auch sehr gut in der Bevölkerung verankert. Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Kooperationen, die der BUND im Laufe der Zeit aufgebaut hat. Mit der Edith-Stein-Schule besteht eine solche bereits seit 19 Jahren: Schülerinnen und Schüler des „Kinderregenwald-Teams“ der Schule werden fachlich bei ihrem Einsatz für die Streuobstwiesen unterstützt. 15 bis 25 Kinder – manchmal auch ganze Schulklassen – sind bei den viermal im Jahr stattfindenden Pflanzungen dabei. Etwa jede zweite Pflanzung erfolgt gemeinsam mit der Kuppelnau-Grundschule. Seit 1996 wurden so fast 1.700 Bäume gepflanzt, deren Pflege durch die Eigentümer gesichert ist.

BUND-Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg & Umweltzentrum Schwarzwald-Baar-Neckar e. V. (Schwarzwald-Baar-Kreis):
Streuobst und Brennrecht – Ein nachhaltiges Produkt der Region

Die beiden Initiatoren starteten Ende 2012 das Projekt, ungenutztes Streuobst in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen in Schwenningen als Destilat aus heimischem Streuobst zu vermarkten und dadurch eine Wertschöpfung aus den Wiesen zu generieren. Die städtischen Streuobstwiesen werden nun wieder gepflegt und auch mit regionalen Sorten neu bepflanzt. Dies kommt dem ökologischen Zustand der Flächen zu Gute, die vor allem für Vögel und Fledermäuse ein bedeutsamer Lebensraum sind. Langfristiges Ziel ist es, den Prozess von Destillation und Vermarktung dieses regionalen Produkts dauerhaft in die Lehre an der Hochschule zu integrieren. Die Studierenden sowie andere junge Menschen sollen auch über Exkursionen und Schnittkurse für das Thema geschult und gewonnen werden.

Fördergemeinschaft regionaler Streuobstbau Bergstraße-Odenwald-Kraichgau e. V. (Rhein-Neckar-Kreis):
Erhalt regionaler, alter Obstsorten auf Streuobstwiesen durch die Förderung des Schnitts von Altbäumen und der Pflanzung von Jungbäumen

Die Fördergemeinschaft regionaler Streuobstbau gehört mit zu den am längsten bestehenden Streuobst-Aufpreis-Initiativen im Land. Sie wurde vor fünfundzwanzig Jahren gegründet. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind der Erhalt alter, regionaler Hochstamm-Obstsorten, die extensive – seit 1999 ökologische Bewirtschaftung der Flächen (nach der EU-Bio-Richtlinie) – und insbesondere die Neupflanzung von über 500 Jungbäumen durch die Erzeuger in den letzten fünf Jahren. Die Maßnahmen zwischen Sinsheim und Mannheim beziehungsweise Weinheim und Walldorf werden durch die örtlichen Verbände unterstützt und auch die Öffentlichkeit ist mit verschiedenen Aktionen eingebunden.

Förderverein Ortenauer Streuobst Anbau (Ortenaukreis):
Förderung des Streuobstanbaus in der Ortenau

Ziel dieser Initiative ist es, durch die Etablierung einer Aufpreisinitiative für die Streuobstwiesenbesitzerinnen und -besitzer einen Anreiz zu schaffen, die Wiesen und Obstbäume zu pflegen und somit zu erhalten. Zunächst startete das Projekt 2001 als „Förderverein Offenburger Streuobst Apfelsaft“. 2012 weitete es sich unter dem neuen Namen „Förderverein Ortenauer Streuobst Anbau“ auf den gesamten Ortenaukreis aus.
Neben dem Vermarktungsansatz betreibt der Verein gezielte Öffentlichkeitsarbeit, Verbraucheraufklärung und Naturpädagogik. Somit informiert der Verein auf verschiedenen Ebenen über die regionale Bedeutung der Streuobstwiesen und deren Produkte und leistet so einen Beitrag für den Erhalt der Streuobstwiesen. Bemerkenswert ist, dass das Projekt über die Landesgrenzen ausstrahlt: So besteht seit 2012 eine Partnerschaft mit einem elsässischen Betrieb der Cidre herstellt.

Franz-Sales-Wocheler-Schule Überlingen (Bodenseekreis):
Unsere Streuobstwiese im Feigental

2012 begannen Schülerinnen und Schüler der Franz-Sales-Wocheler-Schule in Überlingen gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern mit der Pflanzung von 20 Hochstämmen eine Streuobstwiese im Feigental anzulegen. Das Gelände hierfür stellte der Obsthof Kitt zur Verfügung, der auch die fachliche Anleitung der Schülerinnen und Schüler übernimmt. Die Pflege und Begleitung dieser Wiese durch die Schule ist für einen unbefristeten Zeitraum vorgesehen. Neben der praktischen Kenntnis von Abläufen in der Natur am Beispiel Obstbaum bietet die Wiese auch für den Unterricht in unterschiedlichen Fächern zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Martin Geng, Staufen (Breisgau-Hochschwarzwald):
Obstparadies Staufen „Mehr als Obst“

Das besondere Augenmerk von Martin Geng gilt der Sorten- und Artenvielfalt auf den Streuobstwiesen. Dafür setzt er sich seit 2010 gemeinsam mit seiner Familie über das betriebliche Maß hinaus ein: So führt er einen Obstsortenerhaltungsgarten mit über 240 Apfelsorten, 70 Birnensorten, 40 Pflaumen- und Zwetschgensorten und einer großen Anzahl verschiedener Wildobstarten. Um Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten zu schaffen, hat er Hecken, Totholz- und Steinhaufen, Feuchtbiotope und Blumenwiesen angelegt und Nisthilfen angebracht. Des Weiteren bietet er zahlreiche Führungen zu diesem Thema auf seinem biologisch geführten Betrieb an.

Grund-, Haupt- und Werkrealschule Öhningen & Förderverein (Landkreis Konstanz):
Schulprojekt „Streuobstwiese“ der Grund-, Haupt- und Werkrealschule Öhningen – Ein Projekt der Klassen 1 bis 4

Das Projekt begann 2011 mit einem Exposé des Fördervereins der Schule. Mit der Pacht einer verwilderten Obstwiese wurden dann die Grundlagen für die Umsetzung geschaffen. Die weiteren Arbeiten wie der Schnitt der alten Bäume, Neupflanzungen oder die Wiesenpflege erfolgten in enger Zusammenarbeit mit Fachstellen und dem BUND-Naturschutzzentrum Westlicher Hegau. Im Herbst 2012 organisierte der Förderverein eine Sortenschau und eine Weihnachtsaktion mit Streuobst-Chutney. Wesentlich bei diesem Projekt ist, dass das Thema seit Sommer 2013 fest im Lehrplan verankert ist: Für jede Jahreszeit ist im Schul-Curriculum ein Streuobst-Thema definiert.

Hochstamm e. V. Urbach (Rems-Murr-Kreis):
Zum Erhalt des Lebensraums Streuobstwiesen – Gemeinsam geht's besser!

Um die typischen Streuobstwiesen um Urbach zu erhalten, gründete sich 2006 der Hochstamm e. V. Zunächst kaufte er eine rund ein Hektar große verwilderte Streuobstwiese. In den Folgejahren revitalisierten die Mitglieder des Vereins diese in vielen Arbeitsstunden; alte Bäume erhielten einen fachgerechten Schnitt, neue wurden gepflanzt. Zudem wurden Biotope hergerichtet und neu angelegt, Nistmöglichkeiten angebracht und spezielle Artenschutzmaßnahmen für Insekten durchgeführt. Führungen, Exkursionen und zahlreiche andere Aktionen tragen dazu bei, den Wert und die Bedeutung der Streuobstwiesen der Bevölkerung zu vermitteln.

Jagdgenossenschaft Oberhausen (Emmendingen):
Förderung von Neuanpflanzungen altbewährter hochstämmiger Obstsorten im gemeinschaftlichen Jagdbezirk der Gemeinde Rheinhausen-Oberhausen

Bereits seit 1986 fördert die Jagdgenossenschaft den Erhalt alter Obstsorten, indem sie – gespeist aus Jagdpachteinnahmen – finanzielle Anreize für den Kauf von Bäumen bietet. Rund 2.000 Stück kamen so in dieser Zeit zusammen. Sie wurden vor allem im Vogelschutzgebiet Rheinniederung Sasbach-Wittenweier gepflanzt – eine sehr positive Auswirkung auf die dortige Vogelwelt ist inzwischen bemerkbar. Um die Pflege der Bäume kümmern sich die Grundstückseigentümer beziehungsweise geschulte Obstbaumwarte. Auch die Jagdgenossenschaft selbst hat ein gemeindeeigenes Grundstück bepflanzt und pflegt die Bäume seither ehrenamtlich.

Kelterei Häussermann, Stadt Reutlingen & Reutlinger Naturschutzverbände
(Landkreis Reutlingen):
Feines von Reutlinger Streuobstwiesen

Initiiert wurde das Projekt 1999 durch die Stadt Reutlingen. Die Reutlinger Naturschutzverbände und einige Getränkevertriebe in Reutlingen wurden eingebunden. Hauptakteure des Projekts sind die Verbände: Sie führen unter anderem jährliche Baumpflanzaktionen im Frühjahr durch, beraten und unterstützen die Obstbäuerinnen und Obstbauern und bringen sich in der Kinder- und Jugendarbeit ein. Eine Besonderheit bei diesem Projekt ist, dass die Bedeutung artenreicher Blumenwiesen hervorgehoben wird indem seit 2006 Erzeugerinnen und Erzeugern, die eine artenreiche Wiese erhalten, hierfür ein zusätzlicher Aufpreis gewährt wird. Die Initiative entwickelt immer wieder neue Ideen, die dazu beitragen, die Artenvielfalt auf den Streuobstwiesen zu erhalten und zu verbessern. Dabei sind alle Generationen -- von Jung bis Alt – angesprochen und werden beteiligt.

Lokale Agenda 21 Weinstadt – Projektgruppe Streuobstwiesen &
Bündnis für Streuobstwiesen (Rems-Murr-Kreis):
Streuobstwiesen im Remstal – Unser schätzenswertes Erbe

Seit 2002 sind diese beiden Initiativen gemeinsam für die Streuobstwiesen mit mehreren Projekten aktiv: Seit 2003 gibt es das Aufpreisprojekt „Weinstädter Apfelsaft“. Ein Jahr später legten die beiden Initiativen einen drei Kilometer langen Streuobstrundweg an. Seit 2005 revitalisierten sie mehrere Wiesen, teilweise auch in Kooperation mit anderen örtlichen Vereinen.
Über eine Patenwiese wurden 37 Bäume neu gepflanzt. Bemerkenswert ist außerdem der Streuobstplan „Beutelsbacher Roßberg“ von 2013, in dem Ziele und Maßnahmen für eine langfristige Streuobstwiesenpolitik formuliert sind; erste Maßnahmen wurden umgesetzt.

Mali-Gemeinschaftsschule Biberach / Riss (Landkreis Biberach):
Projekt Streuobstwiese – Klassenzimmer im Grünen

2008 übernahm die Bürgerstiftung Biberach eine seit Jahren ungepflegte Wiese mit dem Ziel der Revitalisierung. Die Arbeitsgemeinschaft der Mali-Gemeinschaftsschule bringt sich seither in vielfältiger Weise bei den jeweiligen Arbeiten ein. In den Schulwochen sind sie von April bis Oktober/November jede Woche auf der Wiese. Im Winter wird das Thema im Unterricht behandelt. 2013 bauten Schüler im Fach „Natur und Technik“ ein Insektenhaus, das auf der Streuobstwiese aufgebaut wurde. Die Obstwiese wird auch als Praxisort im Rahmen des Grünen Klassenzimmers zu verschiedensten Themen genutzt.

NABU Bezirksverband Südbaden (Landkreis Lörrach):
Grenzüberschreitende Förderung der Streuobstwiesen und ihrer Artenvielfalt

Seit 2000 engagieren sich unter der Federführung des NABU Südbaden sowie seinen Partnerorganisationen SVS/Birdlife Schweiz und Vogelschutzverband LPO Alsace zahlreiche Aktive aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz grenzüberschreitend für den Erhalt der Streuobstwiesen. Neben umfangreichen Pflege- und Pflanzeinsätzen und Schaffung einer hohen Strukturvielfalt liegt ihr besonderes Augenmerk auf Maßnahmen zur Förderung der streuobstwiesentypischen Vogelwelt, hier insbesondere des Steinkauzes. Durch die Aktionen konnte sich zum Beispiel im Landkreis Lörrach wieder eine gesunde Population der Steinkäuze entwickeln.
Die Öffentlichkeit ist durch zahlreiche, auch grenzüberschreitende, Aktionen sehr gut eingebunden; verschiedenste Produkte machen die vielfaltigen Nutzungsmöglichkeiten der Streuobstwiesen deutlich.

Obst- und Gartenbauvereine Unterweissach/Oberweissach/Cottenweiler, Verein der Gartenfreunde Oberweissach/Bruch & Verein für Umweltschutz Weissacher Tal (Rems-Murr-Kreis):
Ehrenamtliche Pflege gemeindeeigener Streuobstwiesen durch Vereine

Angeregt durch das „Nachhaltigkeitskonzept Weissacher Streuobstwiesen“ haben sich mehrere Vereine zu einer gemeinsamen Aktion zusammengefunden: Seit 2004 pflegen diese ehrenamtlich rund 35 Hektar gemeindeeigene Streuobstwiesen. Ältere Bäume erhalten einen Revitalisierungsschnitt, für die Erhöhung der biologischen Vielfalt sorgen Habitatbäume, Heckenstrukturen oder nicht aufgefüllte Senken. Als Genpool wurden alte Lokalsorten angepflanzt. Aktionen wie beispielsweise das „Streuobstwiesenjahr 2013“ oder die „Kendles- ond Hochzichwies“ verankern das Thema in der Bevölkerung. Die Schulen vor Ort werden bei verschiedenen Aktivitäten eingebunden.

Familie Schüle, Stegen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald):
Blühendes Dreisamtal

2012 pachtete die Familie Schüle am Rande von Freiburg Flächen, die in einem sehr schlechten Zustand waren und begann diese zu einer wertvollen Streuobstwiese herzurichten. Die Spendenaktionen „Weihnachtsbäume zum selber Schlagen“ in 2012 und 2013 half bei der Finanzierung der ersten Pflanzaktion von 30 Hochstämmen alter Sorten, die im April 2014 erfolgte. Eingebunden waren hier freiwillige Gartenhelfer und junge Familien aus Freiburg als Baumpaten. Bei ihrem Weidemanagement in der Streuobstwiese achtet die Familie Schüle besonders darauf, dass hierdurch artenreiches und blühendes Grünland gefördert wird.

Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe e. V.
(Stadt- und Landkreis Karlsruhe):
Projekt Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe

Vor fast zwanzig Jahren begann das Projekt in Karlsruhe und hat sich zwischenzeitlich auf weite Teile des Landkreises ausgedehnt: Über 230 Besitzer/Pächter mit 900 Grundstücken und 140 Hektar stehen unter Vertrag mit der Initiative, die seit 2008 biozertifiziert ist und eine breite Palette an Produkten anbietet. Auch Maßnahmen zur Erhöhung der biologischen Vielfalt, wie beispielsweise ein Steinkauz-Projekt, die Nachpflanzung von Hochstämmen oder das Aufhängen von Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse werden durchgeführt. Darüber hinaus ist die Initiative mit Beratungen, Schnittkursen, Ausstellungen, Vorträgen oder Informationsständen aktiv. Seit 2008 engagiert sie sich außerdem an zwei Schulen in der Bildungsarbeit. Über eine Grundstücksbörse werden „Stückle“ von „alt nach jung“ vermittelt – ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Wiesen.

Verein zur Erhaltung der Kulturlandschaft Hödingen e. V. (Bodenseekreis):
Förderung des bürgerschaftlichen Engagements für die Erhaltung der landschaftsbildprägenden Streuobstwiesen am „Hödinger Berg“ bei Überlingen

Mehr als 10 Jahre lang beschäftigten sich Bürgerinnen und Bürger aus Hödingen mit der Frage, wie die Streuobstwiesen am „Hödinger Berg“ erhalten werden könnten: 2012 wurde der Verein zur Erhaltung der Kulturlandschaft Hödingen gegründet. Die Mitglieder bewirtschaften gemeinschaftlich rund acht Hektar Streuobstwiesen in Hödingen und Umgebung. Sie bieten Fortbildungen und Veranstaltungen für Mitglieder, streuobstinteressierte Bürger und Grundstückseigentümer an. Bei der Einsaat von Blühflächen im Frühjahr 2014 banden sie die ansässige Grundschule ein. Durch ihre Aktivitäten ist das Thema inzwischen ein wichtiger Teil des Dorflebens. Bemerkenswert ist auch das vom Verein entwickelte Lanzen-Verfahren, mit dem sie Nährstoffe in den Wurzelbereich der Birnbäume bringen, ohne die Wiesenvegetation zu beschädigen.

Waldkindergarten „Kinderwald“ & Integration Mensch – Natur e. V. Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis):
Waldkindergarten schützt Kulturlandschaft Obstbaumwiese

Das Projekt begann 2011 mit dem Kauf einer Streuobstwiese, dazu kam eine weitere Pachtwiese vom NABU Tauberbischofsheim, mit dem seither eine enge Kooperation besteht. Die Bäume wurden geschnitten, Totholzhaufen angelegt, Nistkästen gebaut und Neupflanzungen durchgeführt. Die Kinder und ihre Familien werden in vielfältigster Weise mit eingebunden. Darüber hinaus werden weitere Themen kindgerecht vermittelt wie zum Beispiel Imkerei und Schafbeweidung – diese unter dem Gesichtspunkt, zwei dort vorkommende seltene Enzianarten zu erhalten. Besonders hervorzuheben ist, dass das Erleben und Arbeiten auf der Streuobstwiesen als wichtiger konzeptioneller Punkt in der pädagogischen Arbeit des Waldkindergartens verankert ist.

 

Die Fotos können gerne für die Berichterstattung verwendet werden (Bildquelle: MLR/Dirk Wilhelmy):


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