Blauzungenkrankheit

Tierseuche

Blauzungenkrankheit

Die Blauzungenkrankheit (auch unter der englischen Bezeichnung Bluetounge oder kurz BT bekannt) ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung der Wiederkäuer, die mit Fieber und durch Gefäßentzündungen verursachten Schwellungen einhergehen kann. Empfänglich sind große und kleine Wiederkäuer wie Rinder, Schafe oder Ziegen, aber auch Wildwiederkäuer und Neuweltkameliden.

lTiergesundheitsexpertinnen und -experten von Bund und Ländern rechnen 2016 mit einer erneuten Einschleppung der Blauzungenkrankheit nach Süddeutschland: Das Risiko der erneuten Einschleppung der Blauzungenkrankheit nach Süddeutschland ist nach der Qualitativen Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zur Einschleppung der Blauzungenkrankheit, Serotypen 4 und 8 vom 30. November 2015 wahrscheinlich bis hoch. Das in Südosteuropa kursierende Virus der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 4 (BTV-4) hat sich bereits bis nach Österreich ausgebreitet. In der Mitte von Frankreich trat im September 2015 erstmals seit 2010 wieder das Virus der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) auf und verbreitet sich seither über den größten Teil von Frankreich. Die französische Restriktionszone reicht zwischenzeitlich bis an die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland. Da sowohl BTV-4 als auch BTV-8 auf ungeschützte empfängliche Tiere treffen, sofern diese nicht geimpft sind, kann eine Infektion der Tiere zu Erkrankungen und wirtschaftlichen Schäden für die Tierhalterinnen und Tierhalter führen. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt daher in ihrer Empfehlung zur BTV-Impfung vom 2. Februar 2016 die vorbeugende Impfung von Rindern, Schafen und Ziegen gegen diese Infektionskrankheit flächendeckend in der Bundesrepublik Deutschland durchzuführen. Durch eine Impfung seien die Tiere vor einer möglichen Ansteckung mit dem Erreger und einer anschließenden Erkrankung geschützt. Dies hätten die sehr guten Erfahrungen mit Impfungen beim Ausbruch der Blauzungenkrankheit in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2009 gezeigt.

Neben Rindern, Schafen und Ziegen sollten auch sonstige Tiere empfänglicher Arten, zum Beispiel Gehegewild oder Neuweltkameliden, geimpft werden.

Aufgrund des sich weiter ausbreitenden Seuchengeschehens in Frankreich und Österreich hat sich Baden-Württemberg entschlossen, die präventive Impfung auf freiwilliger Basis wieder zu ermöglichen und hat dazu gemeinsam mit der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg über 2 Mio. Euro für Impfstoffe bzw. Impfgebühren zur Verfügung gestellt. Die Impfstoffe für die zuvor von den Hoftierärzten/ Tiergesundheitsdiensten angemeldeten Impfungen wurden in der Woche vom 25. – 29.04.2016 ausgeliefert. Zur Anwendung des bisher nur in Spanien zugelassenen Impfstoffes gegen BTV-4 wurde eine entsprechende Ausnahmegenehmigung erteilt. Die Tierhalter von geimpften Rindern sowie geimpften Schaf- und Ziegenbeständen sind per Allgemeinverfügung verpflichtet, die Impfdaten in die zentrale HI-Tier-Datenbank einzugeben. Für die Meldung sollen die aus der HI-Tier-Datenbank generierten Impflisten verwendet werden. Alternativ kann die Erfassung der Impfungen durch den Impftierarzt durchgeführt werden, sofern eine entsprechende Vollmacht als Hoftierarzt vorliegt. Sie kann auch über die vom Landeskontrollverband (LKV) bezogenen Meldekarten vorgenommen werden.

Die tierbezogene Dokumentation und zentrale Erfassung der geimpften Tiere ist erforderlich, um im Falle der Festlegung eines Restriktionsgebietes im Seuchenfall von den erleichterten Verbringungsbedingungen für die geimpften Tiere Gebrauch machen zu können.

Virus für Menschen nicht gefährlich

Die Blauzungenkrankheit ist eine nicht unmittelbar von Tier zu Tier ansteckende, sondern von bestimmten Stechmücken (Gnitzen, Cullicoides) übertragene Infektionskrankheit, an der vor allem Schafe und Rinder erkranken und verenden können. Die Tierseuche kam bisher überwiegend in warmen Ländern wie Afrika oder Südeuropa vor. Vor rund zehn Jahren gab es einen ersten Seuchenzug in Deutschland, der durch die Impfung der Tiere erfolgreich beseitigt werden konnte. Der Krankheitsverlauf kann mild bis sehr schwerwiegend und mit hohen Verlusten einhergehend sein. Das Virus ist für den Menschen nicht gefährlich. Fleisch- und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.

Ausbreitung der Seuche

2006 ist diese Tierseuche erstmalig in Deutschland aufgetreten und hat vor allem im Infektionszyklus 2007 zu erheblichen Verlusten, insbesondere in den bereits im Vorjahr betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie in Hessen geführt. Insgesamt waren 2007 in Deutschland etwa 23.000 Betriebe von der Blauzungenkrankheit betroffen. In Baden-Württemberg wurde das Krankheitsgeschehen 2007 erstmalig in 519 Betrieben festgestellt. Viele der weit über 700 betroffenen Tiere erkrankten stark und verendeten oder mussten getötet werden.

Im Jahr 2008 wurde in Deutschland flächendeckend eine Impfung gegen den Serotyp 8 der Blauzungenkrankheit durchgeführt. In der Zeit zwischen Mai und September 2008 wurden in Baden-Württemberg 1,3 Millionen Wiederkäuer in rund 34.000 Betrieben gegen BTV-8 geimpft. Trotz eines immens hohen Erregerdruckes und einer aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit von Impfstoffen relativ spät durchgeführten Impfung konnten über 99 Prozent aller geimpften Bestände zuverlässig vor der Blauzungenkrankheit geschützt werden.

Um an den erfolgreichen Verlauf der Impfaktion im Jahr 2008 anzuknüpfen, wurde ab Februar 2009 in Baden-Württemberg sowie in ganz Deutschland erneut gegen die Blauzungenkrankheit flächendeckend geimpft. Im Jahr 2009 gab es in Deutschland insgesamt nur noch 145 gemeldete Ausbrüche, in Baden-Württemberg gab es dagegen keine Ausbrüche mehr. Im Jahr 2010 ist es in ganz Deutschland zu keinen Neuausbrüchen der Blauzungenkrankheit gekommen. Während in anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union bereits andere Serotypen des Blauzungenvirus festgestellt wurden (zum Beispiel Serotyp 1 in Frankreich), sind in Deutschland andere Serotypen als der Serotyp 8 bisher nicht festgestellt worden.

Die Bekämpfung der Blauzungenkrankheit basiert gemeinschaftsrechtlich auf der Verordnung (EG) Nr. 1266/2007. In Deutschland wurde nach der Zulassung der Impfstoffe im Jahre 2010 auf ein freiwilliges Verfahren umgestellt. Nach der Erklärung der Blauzungenfreiheit Deutschlands wurde die Impfung gegen die Blauzunge außerhalb von Seuchenrestriktionsgebieten verboten. Aufgrund der jetzigen Gefährdungslage wurde die Impfung durch eine Allgemeinverfügung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz über eine Ausnahmegenehmigung für eine freiwillige Impfung wieder ermöglicht.

Ansprechpartner bei Fragen

Bei Fragen geben die Veterinärämter, der Rinder- und Schafherdengesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg, praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte sowie die Verbände Auskunft.


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