Varroose

Tierseuche

Varroose

Nachdem die parasitierende Milbe Varroa destructor 1978 in Südhessen und damit erstmals in Westeuropa aufgetreten war, wurden in Deutschland sofort alle tierseuchenrechtlich möglichen Maßnahmen getroffen. Mit der Anzeigepflicht und staatlichen Kontrolle konnte jedoch die Verbreitung nur verlangsamt werden.

Bereits Anfang der neunziger Jahre war der Parasit Varroa destructor in ganz Deutschland verbreitet. Folglich wurde die Varroose aus der Anzeigepflicht genommen und lediglich die Behandlungspflicht als Bekämpfungsmaßnahme in der einschlägigen Bienenseuchenverordnung belassen.

Der Parasit Varroa destructor ist zwischenzeitlich in ganz Deutschland und Europa flächendeckend in allen Bienenvölkern verbreitet.

Die Schadwirkung der Varroose wird beeinflusst von Sekundärinfektionen mit Bakterien und Viren und auch von den Haltungsbedingungen sowie der Widerstandskraft der Bienen. Die erfolgreiche Bekämpfung der Milbe bleibt jedoch das zentrale Element, um Totalverluste der Bienenvölker zu verhindern. Dazu wurde von den Bienengesundheitsdiensten der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg gemeinsam mit der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim ein ganzjähriges Varroa-Bekämpfungskonzept erarbeitet. Dieses setzt auf bienenpflegerische Maßnahmen und medikamentelle Behandlungen zu bestimmten Zeiten im Jahresverlauf.

Die medikamentelle Behandlung der Varroose wird durch das Land Baden-Württemberg und mit EU-Fördergeldern bezuschusst: Die Behandlung mit Thymolpräparaten, Ameisensäure
60 % ad us. vet. und Oxalsäure ad us. vet. wird mit einem Festbetrag bezuschusst.

In den vergangenen Jahren wurde der Einsatz von 85 % Ameisensäure ad us. vet. empfohlen, da diese im Vergleich zur 60 % Ameisensäure ad us. vet. insbesondere bei niedrigeren Umgebungstemperaturen eine deutlich schnellere Entmilbung erreichen sollte. Da in Baden-Württemberg viele Imker die sogenannte "Spättracht" (Fichte und Tanne) nutzen, bei welcher die Honigernte erst zwischen Ende Juli bis Ende August erfolgen kann, hatte man sich von der 85 % Ameisensäure besondere Vorteile versprochen. Diese konnten in wissenschaftlichen Untersuchungen jedoch nicht bestätigt werden. Eine Standardzulassung für die 85 % Ameisensäure ad us. vet. konnte nicht beantragt werden.

Wenn keines der in Deutschland zugelassenen Medikamente ausreichend wirkt (sogenannter Therapienotstand für Spättrachtgebiete), kann gemäß Arzneimittelgesetz ein praktizierender Tierarzt Arzneimittel verschreiben, die in Apotheken zubereitet werden können. So kann 85 % Ameisensäure ad us. vet. mit der Begründung Therapienotstand und einer tierärztlichen Verschreibung über eine Apotheke bezogen werden.

Varroa-Arzneimittelförderung über die Tierseuchenkasse Baden-Württemberg:

  • apothekenpflichtige Arzneimittel (ApiLife Var® und Oxalsäure ad us. vet):
    Die genannten  Arzneimittel werden über die Landesverbände bei der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg bestellt und über die Veterinärämter an die Imker abgegeben.
  • frei verkäufliche Arzneimittel (Ameisensäure ad us. vet.):
    Das Arzneimittel wird über die Landesverbände bei der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg bestellt und kann über Beauftragte der Imkervereine an die Imker abgegeben werden.

Die Behandlung von Bienen als lebensmittelliefernden Tieren mit Präparaten, die zu Desinfektionszwecken im Handel sind, ist nicht zulässig.


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