Pressemitteilung

Auerwild
  • 29.12.2016

Forstminister Peter Hauk MdL: „Durch die verstärkte Anlage von Freiflächen im Wald schaffen wir die Grundlage für die Sicherung des Auerwildes im Schwarzwald“

„Der Klimawandel macht dem heimischen Auerwild schwer zu schaffen. Durch die verstärkte Anlage von Freiflächen im Wald schaffen wir die Grundlage für die Sicherung dieser für den Schwarzwald so typischen Waldvogelart“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Donnerstag (29. Dezember) in Stuttgart. Das Auerwild lege sich im Winter zum Schutz vor Fressfeinden Schneehöhlen an. Der Klimawandel sorge immer öfter dafür, dass entsprechende Schneemengen ausblieben. Viele Tiere würden so leichte Beute für Fuchs oder Habicht. Damit sei das Auerwild die erste Wildtierart in Baden-Württemberg, für die dokumentiert wäre, dass sie durch den Klimawandel massiv unter Druck gerate.

Zusätzlich setze das Freizeitverhalten der Bevölkerung dem Auerwild zu. Menschen, die zur Erholung zum Beispiel abseits der Wege quer durch die Wälder gingen, stellten einen zusätzlichen Stress für die scheuen Waldbewohner dar.

Experten hielten für das langfristige Überleben der Art im Schwarzwald mindestens 300 Auerhähne für notwendig. Derzeit würden etwas mehr als 200 Hähne gezählt.
„Zum Schutz des Auerwilds werden wir in den Hochlagen des Schwarzwaldes auf Waldflächen des Landesbetriebs ForstBW diesen Winter und in den folgenden Jahren im Rahmen des regulären Holzeinschlags verstärkt größere lichte Stellen schaffen. Damit verbessern wir die Lebensbedingungen der Tiere nachhaltig“, erklärte der Minister. In aufgelichteten Wäldern käme mehr Sonnenlicht und damit Wärme auf die Waldböden, was sich positiv auf das Nahrungsangebot der Tiere auswirke. Auerwild sei auf das Vorhandensein der Heidelbeere angewiesen, die von dem größeren Lichtangebot profitiere. Auch würde die Wärme die Aufzucht der Jungtiere begünstigen. Vor allem nasskalte Frühsommer führten bei den Küken zu großen Verlusten.

„Unsere Maßnahmen zum Schutz des Auerwildes greifen allerdings nur, wenn sie von allen am Wald beteiligten gesellschaftlichen Gruppen mitgetragen werden. Andere Waldbesitzer sollten in den betroffenen Regionen dem Beispiel von ForstBW folgen und ähnliche Waldstrukturen schaffen“, betonte Hauk. Auch müsse das Freizeitverhalten der Menschen in den Hochlagen des Schwarzwaldes Rücksicht auf die Belange des Auerwilds nehmen. So sei es wichtig, auf den Wegen zu bleiben und die Wälder nicht zu Unzeiten zu betreten.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) habe in Abstimmung mit der AG Raufußhühner (AGR) 2008 einen ‚Aktionsplan Auerhuhn‘ entwickelt, der für all die beschriebenen Handlungsfelder Ziele und Maßnahmen vorgebe. Dieser deutschlandweit beispielgebende Plan schreibe konkret und flächenscharf Handlungsempfehlungen zum Schutz des Auerwildes vor.

Hintergrundinformationen:
Das Auerwild wird häufig als der Charaktervogel des Schwarzwaldes angesehen. Es teilt seinen Lebensraum in den Hochlagen mit einer Vielzahl an seltenen Tier- und Pflanzenarten: Gebiete mit Auerhuhnvorkommen weisen eine hohe biologische Vielfalt auf. Jedes Frühjahr werden die balzenden Hähne im Schwarzwald von Jägern, Förstern und Ornithologen gezählt. Dadurch konnte im Frühjahr 2016 festgestellt werden, dass die Zahl der Auerhähne auf nur noch 206 zurückgegangen ist. Diese leben auf einer Fläche von 45.000 Hektar.

Im Jahr 2008 wurde der „Aktionsplan Auerhuhn“ in Gang gesetzt, der die Erhaltung einer überlebensfähigen Population an Auerwild im Schwarzwald zum Ziel hat. Dieser Plan beinhaltet konkrete Maßnahmen und klar abgegrenzte Flächen, auf denen die Umsetzung stattfinden soll. Dabei geht es beispielsweise um eine Reduzierung der Störeinflüsse durch erholungssuchende Menschen – Wanderer, Mountainbiker, Schneeschuhläufer und andere Freizeitaktive sollten sich an ausgewiesene Strecken und Wildruhegebiete halten. Hier sind die Gemeinden und Entwickler von touristischen Angeboten besonders gefordert. Auch eine verstärkte Bejagung der Fressfeinde, insbesondere des Fuchses, ist Teil des Konzeptes. Der Landesjagdverband engagiert sich in diesem Bereich besonders und erhöht die Akzeptanz der Maßnahmen durch die Werbung für eine sinnvolle Verwendung der Fuchsfelle.

Die wichtigsten Aktivitäten des Planes zielen aber darauf, den Lebensraum der Auerhühner zu verbessern. Dies ist aber nur durch eine Integration in die aktuelle Bewirtschaftung der Wälder möglich, da die sehr großen Flächen (50 000 ha) und die natürliche Walddynamik ein Konzept des gleichzeitig „Holz Nutzens“ und „Lebensraum Schützens“ erfordern. Das Land Baden-Württemberg hat sich verpflichtet, die Vorgaben des Aktionsplans im Staatswald umzusetzen.

Durch den aktuell besonders starken Rückgang der Auerhuhnpopulation wird in den kommenden Monaten und Jahren eine „Freiflächen Kampagne“ für den Staatswald gestartet, um im Wald Lücken und Freiflächen zu schaffen. Damit dies nicht isoliert erfolgt, werden Anstrengungen unternommen, auch die anderen Waldbesitzer zur Mitwirkung zu gewinnen. Gleichzeitig sollen auch die anderen Aktivitäten (z. B. Fuchsbejagung, Lenkung der Freizeitaktivitäten u. a.) mit dieser Kampagne abgestimmt werden. Um dieses sicherzustellen, stimmt die aus Vertretern des Grundbesitzes, der Jagd, des Naturschutzes und der Gemeinden zusammengesetzte Arbeitsgruppe Raufußhühner diese Aktivitäten ab und bereitet die Evaluation des Aktionsplans im Jahr 2018 vor.
Informationen im Internet:

http://www.waldwissen.net/wald/wild/management/fva_aktionsplan_auerhuhn/index_DE

Ansprechpartner FVA:
Dr. Rudi Suchant: rudi.suchant@forst.bwl.de  Tel. 0761 / 4018209

Weitere Informationen zum Thema Wald finden sich auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr-bw.de sowie auf den Seiten des Landesbetriebs ForstBW unter www.forstbw.de.

Umfassende Informationen zur Arbeit der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg finden sich unter www.fva-bw.de.