Forst

Minister Hauk macht sich im Landkreis Waldshut ein Bild von den gravierenden klimabedingten Waldschäden und spricht mit Forstexperten

Kranke und abgestorbene Buchen auf dem Schönberg bei Freiburg

„Die gravierenden klimabedingten Waldschäden in nahezu ganz Deutschland und Mitteleuropa haben innerhalb kurzer Zeit ein dramatisches Ausmaß erreicht. Der Landkreis Waldshut ist einer von zahlreichen Landkreisen in Baden-Württemberg, die große Schäden an Fichte und Tanne durch Dürrestress und Borkenkäferbefall zu verzeichnen haben“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz am Montag (29. Juli) anlässlich eines Vor-Ort-Termins in Ühlingen-Birkendorf (Landkreis Waldshut). Auf Grund von Hitze und Trockenheit des vergangenen und im seitherigen Verlauf dieses Jahres seien landesweit 2019 über alle Baumarten und Waldbesitzer hinweg bislang rund 930.000 Kubikmeter Käfer- und rund 380.000 Kubikmeter Dürreholz von den Waldbesitzern und Forstleuten aufgearbeitet und verbucht worden, Tendenz weiter steigend. Im gesamten Jahr 2018 seien es landesweit insgesamt rund 1,6 Millionen Kubikmeter gewesen.
 
Im Landkreis Waldshut seien 2019 bislang rund 140.000 Kubikmeter Käfer- und rund 6.000 Kubikmeter Dürreholz verbucht worden. 2018 seien es dort im Gesamtjahr rund 130.000 Kubikmeter Käfer- und rund 5.000 Kubikmeter Dürreholz gewesen. Die Zahlen des Vorjahres seien im Landkreis Waldshut somit bereits jetzt übertroffen worden.
 
„Nachdem im letzten Jahr vor allem die Fichte unter der klimabedingten Hitzeperiode Schäden gezeigt hat, leidet nun auch die Tanne in großem Maße. Buchen vertrocknen und Kiefern gehen reihenweise ein. Die Situation nimmt Ausmaße an, die bislang niemand für möglich gehalten hätte“, so der Minister. Trockenstress und Schädlingsbefall gingen vielfach Hand in Hand. Während der Wassermangel die Bäume schwäche, begünstigten die hohen Temperaturen die Schadinsekten.

Wir dürfen den Wald und die Waldbesitzer nicht im Stich lassen

Um die Waldbesitzer bei vorbeugenden Maßnahmen, bei der Bekämpfung sowie beim Monitoring zu unterstützen, gewährt das Land finanzielle Hilfen für das Hacken, den Transport und die Lagerung des Holzes sowie die Wiederbewaldung. Die finanziellen Hilfen können seit dem Frühjahr beantragt werden. Diese Fördermittel werden derzeit bewilligt und Förderhilfen ausbezahlt.
 
„Die Gesellschaft darf die Waldbesitzer mit dieser ernsten Krise nicht alleine lassen. Es handelt sich nicht um ein temporäres und auch nicht um ein lokales Ereignis. Ganz Deutschland ist betroffen. Deshalb ist auch die solidarische Unterstützung für die Waldbesitzer durch den Bund gefordert“, betonte Hauk. Baden-Württemberg werde auf den Bund zugehen und eine schnelle finanzielle Beteiligung einfordern Das Land sei im Gespräch mit den Verbänden. Ein Notfallplan für die Wälder Baden-Württembergs sei in Vorbereitung.
 
Waldbesitzer seien gehalten, ihre Waldbestände nunmehr wöchentlich zu kontrollieren und sich im Zweifelsfall mit der zuständigen Forstbehörde in Verbindung zu setzen.

Hintergrundinformationen:

Kennzeichen eines Käferbefalls sind:

  • braunes Bohrmehl auf der Rinde, unter Rindenschuppen, auf Spinnweben, am Stammfuß und auf der Bodenvegetation
  • Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, vor allem am Kronenansatz
  • helle Flecken, sogenannte ‚Spiegel‘, auf der Rinde durch die Tätigkeit der Spechte, wodurch größere Rindenstücke abfallen und das helle Splintholz sichtbar wird
  • charakteristische Fraßbilder unter der Rinde
  • Rötung
  • Abfall grüner oder roter Nadeln

Kontrollieren Sie Ihre Wälder! Zu kontrollieren sind:

  • alle stehenden Fichtenbestände
  • nach Schadereignissen, Hiebsmaßnahmen und Pflegeeingriffen liegengebliebenes, bruttaugliches Material
  • aufgearbeitetes, in der Nähe gefährdeter Bestände lagerndes Nadelholz

Wann und wie häufig kontrollieren?

  • ab jetzt bis September
  • je nach Gefahrenlage im ein- bis zweiwöchigen Turnus
  • Kontrollen aussetzen bei starkem Wind oder Regen, da Bohrmehl weggeweht bzw. abgewaschen werden kann

Wo?

  • Kontrollen gezielt im Bereich vorjähriger Befallsorte
  • in südexponierten Lagen und an aufgerissenen Bestandesrändern
  • an Rändern von Windwurf- und Schneebruchnestern
  • in allen Fichtenbeständen bei entsprechender Gefahrenlage
  • an Jungwüchsen bei der Gefährdung durch Kupferstecher

Wie?

  • in älteren Beständen einzeln, d. h. Baum für Baum
  • befallene Bäume für den Einschlag auffällig markieren

Nach den Kontrollen bitte reagieren:

Können Sie das Holz nicht rechtzeitig aus dem Wald bringen, sind folgende Verfahren zu überlegen:

  • Hacken, oder Stämme entrinden, sofern die Käfer noch nicht entwickelt sind.
  • Zur Reduktion des Befallsrisikos ist es erforderlich, vorhandenes bruttaugliches Material (frische Fichtenkronen, Resthölzer und Reisigmatten) unverzüglich aufzuarbeiten (Hacken, Mulchen, Abfahren). Frischer Stehendbefall durch den Kupferstecher ist nicht erkennbar. Daher ist es umso notwendiger, liegendes bruttaugliches Material auf Kupferstecherbefall hin zu kontrollieren und bei Befall unverzüglich aufzuarbeiten.

 
Weitere Informationen zum Thema Waldwirtschaft finden sich im Internet unter www.mlr-bw.de oder www.forstbw.de.