Forst

Minister Hauk macht sich im Stadtwald Baden-Baden ein Bild von den aktuellen Waldschädigungen

„Die massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers wird den Anteil der Fichte in ganz Deutschland drastisch reduzieren. Keine noch so entlegene Lage ist vor dem Borkenkäfer sicher. Das sieht man im Nordschwarzwald besonders gut“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Freitag (2. August) anlässlich eines Vor-Ort-Termins im Stadtkreis Baden-Baden. Die Wälder der Stadt Baden-Baden seien geeignete Standorte für die Fichte, jedoch sei auch hier die Borkenkäferdichte so hoch, dass selbst gesunde Bäume keine Chance mehr hätten, die Käfer entsprechend abzuwehren.
 
„Auf Grund von Hitze und Trockenheit läuten in den Wäldern landesweit die Alarmglocken und das nicht nur bei der Fichte. Im Rheintal fällt die Kiefer aus, in den Mittelgebirgen die Tanne. Auch unsere Laubbaumarten, wie Buche, Eiche und Ahorn, haben immense Probleme mit der Trockenheit und sterben zum Teil flächig ab“, betonte der Minister.
 
„Um dem Borkenkäfer keinen weiteren Brutraum zu bieten, sind alle Waldbesitzer dringend dazu angehalten, Ihren Wald regelmäßig zu inspizieren und Borkenkäferbefall sofort zu beseitigen oder bei der zuständigen unteren Forstbehörde zu melden“, so der Minister.

Wir dürfen den Wald und die Waldbesitzer nicht im Stich lassen

Um die Waldbesitzer bei vorbeugenden Maßnahmen, bei der Bekämpfung sowie beim Monitoring zu unterstützen, gewährt das Land finanzielle Hilfen für das Hacken, den Transport und die Lagerung des Holzes sowie die Wiederbewaldung. Die finanziellen Hilfen können seit dem Frühjahr beantragt werden. Diese Fördermittel werden derzeit bewilligt und Förderhilfen ausbezahlt.
 
„Die Gesellschaft darf die Waldbesitzer mit dieser ernsten Krise nicht alleine lassen. Es handelt sich nicht um ein temporäres und auch nicht um ein lokales Ereignis. Ganz Deutschland ist betroffen. Deshalb ist auch die solidarische Unterstützung für die Waldbesitzer durch den Bund gefordert“, betonte Hauk. Baden-Württemberg werde auf den Bund zugehen und eine schnelle finanzielle Beteiligung einfordern Das Land sei im Gespräch mit den Verbänden. Ein Notfallplan für die Wälder Baden-Württembergs sei in Vorbereitung.
 
Waldbesitzer seien gehalten, ihre Waldbestände nunmehr wöchentlich zu kontrollieren und sich im Zweifelsfall mit der zuständigen Forstbehörde in Verbindung zu setzen.

Hintergrundinformationen:

Kennzeichen eines Käferbefalls sind:

  • braunes Bohrmehl auf der Rinde, unter Rindenschuppen, auf Spinnweben, am Stammfuß und auf der Bodenvegetation
  • Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, vor allem am Kronenansatz
  • helle Flecken, sogenannte ‚Spiegel‘, auf der Rinde durch die Tätigkeit der Spechte, wodurch größere Rindenstücke abfallen und das helle Splintholz sichtbar wird
  • charakteristische Fraßbilder unter der Rinde
  • Rötung
  • Abfall grüner oder roter Nadeln

Kontrollieren Sie Ihre Wälder! Zu kontrollieren sind:

  • alle stehenden Fichtenbestände
  • nach Schadereignissen, Hiebsmaßnahmen und Pflegeeingriffen liegengebliebenes, bruttaugliches Material
  • aufgearbeitetes, in der Nähe gefährdeter Bestände lagerndes Nadelholz

Wann und wie häufig kontrollieren?

  • ab jetzt bis September
  • je nach Gefahrenlage im ein- bis zweiwöchigen Turnus
  • Kontrollen aussetzen bei starkem Wind oder Regen, da Bohrmehl weggeweht bzw. abgewaschen werden kann

Wo?

  • Kontrollen gezielt im Bereich vorjähriger Befallsorte
  • in südexponierten Lagen und an aufgerissenen Bestandesrändern
  • an Rändern von Windwurf- und Schneebruchnestern
  • in allen Fichtenbeständen bei entsprechender Gefahrenlage
  • an Jungwüchsen bei der Gefährdung durch Kupferstecher

Wie?

  • in älteren Beständen einzeln, d. h. Baum für Baum
  • befallene Bäume für den Einschlag auffällig markieren

Nach den Kontrollen bitte reagieren:
Können Sie das Holz nicht rechtzeitig aus dem Wald bringen, sind folgende Verfahren zu überlegen:

  • Hacken oder Stämme entrinden, sofern die Käfer noch nicht entwickelt sind.
  • Zur Reduktion des Befallsrisikos ist es erforderlich, vorhandenes bruttaugliches Material (frische Fichtenkronen, Resthölzer und Reisigmatten) unverzüglich aufzuarbeiten (Hacken, Mulchen, Abfahren). Frischer Stehendbefall durch den Kupferstecher ist nicht erkennbar. Daher ist es umso notwendiger, liegendes bruttaugliches Material auf Kupferstecherbefall hin zu kontrollieren und bei Befall unverzüglich aufzuarbeiten.

Weitere Informationen zum Thema Waldwirtschaft finden sich im Internet unter www.mlr-bw.de oder www.forstbw.de.