Das Blatt wenden

Den Wald als Klimaschützer stärken

Waldschäden

Unsere Wälder sind nicht nur stark vom Klimawandel bedroht – sie selbst sind wichtige Klimaschützer! Mit ihren Nadeln und Blättern filtern sie das klimaschädliche Kohlendioxid  aus der Luft und spalten es in Sauerstoff und Kohlenstoff. Den Sauerstoff geben sie wieder an die Luft ab. Das ist für uns Menschen überlebensnotwendig, denn ohne den Sauerstoff zum Atmen könnten wir nicht überleben. Den Kohlenstoff lagern die Bäume in ihrem Holz ein.

Ist ein Baum alt und fällt um, dann wird der Kohlenstoff bei der Zersetzung des Holzes in Form von Kohlendioxid  wieder an die Luft abgegeben. Deswegen ist es so wichtig für die Umwelt, dass wir Forstleute im Rahmen einer nachhaltigen und naturnahen Waldwirtschaft regelmäßig Bäume ernten, damit diese zum Beispiel als Bauholz verwendet werden können. Denn im verbauten und langfristig genutzten Holz bleibt der Kohlenstoff weiterhin gebunden. Wir Forstleute achten darauf, dass im Wald immer neue Bäume nachwachsen, die dann wiederum Kohlenstoff binden können. Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald ist also gut für das Klima! Und indem viele Menschen Holzprodukte aus solchen Wäldern nutzen oder mit Holz ein Haus bauen, tragen sie einen wertvollen Teil zum Klimaschutz bei.

Ein kräftiger Baum produziert ungefähr so viel Sauerstoff, wie zehn Menschen zum Atmen benötigen.

Unser Wald – ein erkrankter Klimaschützer

Wer sich in unseren Wäldern umschaut, kann leider trotz nachhaltiger Waldbewirtschaftung manchmal große kahle Flächen entdecken. Dort sind die Bäume von Stürmen umgeweht worden oder im trockenheißen Sommer verdorrt. Von Hitze geschwächte Bäume sind viel anfälliger für Schädlinge. So sind in den vergangenen Jahren viele Waldbäume dem massenhaften Befall des Borkenkäfers oder anderen Schädlingen zum Opfer gefallen. Diese kranken Bäume mussten dann schnell entfernt werden, sonst hätten sich noch mehr gesunde Bäume  in der Nachbarschaft „angesteckt“. Das sind traurige Auswirkungen des Klimawandels und der bereits gestiegenen Temperaturen. Ein paar Grad Celsius machen bei Wäldern extrem viel aus. Unter normalen Umständen passen sie sich an Temperaturveränderungen von selbst an, indem sich die anpassungsfähigsten Bäume einen Konkurrenzvorteil verschaffen und sich damit über mehrere Baumgenerationen hinweg die Genetik verändert. Doch dafür ist der Klimawandel zu schnell. Vielen unserer heimischen Bäume ist es bereits jetzt zu heiß und zu trocken und so sterben sie ab.

Hintergrundinfos zur Fichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es viele große kahle Waldflächen. Auf diesen wurden oft reine Fichtenwälder gepflanzt, da Fichten schnell wachsen und mit den widrigen Bedingungen auf Freiflächen gut klarkommen. Diese Entscheidung haben vorherige Förstergenerationen nach bestem Wissen und Gewissen – auf Basis ihres damaligen Wissensstands und der damals vorherrschenden Bedürfnisse der Gesellschaft – getroffen. Es hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass diese Wälder sehr anfällig für Stürme, Dürre und Borkenkäfer sind. Oft stehen die Fichten auf unpassenden Standorten, an denen sie nicht genügend Wasser im Boden bekommen oder zu unstabil stehen. Bis heute hat sich viel an unserer Arbeitsweise verändert. Denn darüber, wie das Ökosystem Wald funktioniert, lernen wir durch die Forschung unserer forstlichen Wissenschaftler ständig Neues dazu.

Es gibt aber auch Standorte in Baden-Württemberg, an denen Fichten bisher gut wachsen konnten. Mit dem Klimawandel werden jedoch selbst diese Standorte noch weniger . So sind in den letzten Jahren auch in den höheren und gut geeigneten Lagen des Schwarzwalds viele Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Unsere Wissenschaftler sagen voraus, dass es im Jahr 2100 wahrscheinlich kaum noch Wälder in Baden-Württemberg geben wird in denen die Fichte die bestimmende Baumart ist. Reine Fichtenwälder werden von uns Forstleuten in vielfältige Mischwälder umgewandelt.

Die Wärmestufen Baden-Württembergs

Auf diesen Karten sind die Wärmestufen Baden-Württembergs abgebildet. Ihre Namen sind von den in Baden-Württemberg vorkommenden Höhenstufen abgeleitet. Auf der Karte, die den Zeitraum 1960 – 1990 darstellt, reichen die Wärmestufen noch von hochmontan (kalt bis sehr kalt) bis planar (heiß). Unsere forstlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachten mit Sorge die beständig steigenden Messwerte der letzten Jahre. Sie haben auf Basis der zwei Klimaszenarien des internationalen Klimarats (IPCC) das Klima und die Wärmestufen Baden-Württembergs für das Jahr 2100 abgeleitet und in den zwei weiteren Karten dargestellt.

Darauf ist zu erkennen, dass wir durch die Erderwärmung unsere kälteste Wärmestufe, die hochmontane Stufe (kalt bis sehr kalt), verlieren. Dies ist bereits jetzt schon der Fall. In Klimaszenario 2, dem stärkeren der beiden Szenarios, verschwindet bis auf wenige Reste sogar auch die montane Stufe (kühl bis mäßig kalt). Wenn der Klimawandel weiterhin so drastisch voranschreitet, wird es im Jahr 2100 in manchen Gegenden Baden-Württembergs dauerhaft so warm sein wie heute in der Mittelmeerregion. Die betroffenen Gebiete sind dunkelrot markiert. Für diese Wärmestufe (sehr heiß), die bisher in den Höhenstufen von Baden-Württemberg nicht vorkam, müssen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erst noch einen Namen festlegen. Sie wird wahrscheinlich planar/kollin-submediterrane Stufe lauten. Es wird eine enorme Herausforderung sein, unter diesen Bedingungen stabile, vielfältige und artenreiche Wälder zu erhalten oder wieder zu entwickeln.

Wärmestufen