FAQ zur Vogelgrippe

Vogelgrippe
  • 17.11.2016

Häufige Fragen zur Vogelgrippe

Die Vogelgrippe breitete sich im Südwesten seit Anfang November 2016 aus. Immer mehr tote Wildvögel wurden von November 2016 bis Januar 2017 am Bodensee und auch in anderen Kreisen gefunden. Was ist Vogelgrippe eigentlich und wie betrifft sie den Verbraucher? Welche Maßnahmen hat das Land Baden-Württemberg ergriffen und was können Geflügelhalter tun, um ihre Bestände vor der Vogelgrippe zu schützen? Was tun, wenn man tote Vögel findet? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Vogelgrippe.

Was ist die Vogelgrippe oder Geflügelpest?

Die Klassische Geflügelpest oder Vogelgrippe ist eine tödlich verlaufende Erkrankung von Vögeln, unter der besonders Hühner und Puten leiden. Vogelspezies wie Enten und Gänse weisen gemeinhin eine geringere Empfindlichkeit auf. Ausgelöst wird die Erkrankung durch hochpathogene (stark krankmachende, HP) aviäre Influenzaviren (AIV) der Subtypen H5 und H7. Die hochpathogenen AIV entstehen durch Mutation aus geringpathogenen Influenzaviren, das heißt aus Varianten, die lediglich leichte Krankheitssymptome hervorrufen.
Erst bei Infektion mit der HP-AIV Variante kommt es zu dramatischen Krankheitsverläufen mit einer Sterblichkeit von bis zu 100 Prozent. Da sich die Krankheit sehr schnell ausbreiten kann wird sie auch als Geflügelpest bezeichnet. 

Ist H5N8 auf den Menschen übertragbar?

Infektionen des Menschen mit HPAI H5N8 Viren wurden bislang weltweit nicht nachgewiesen. Wie bei allen Geflügelpestviren sind aber auch bei H5N8 erhöhte Schutzmaßnahmen beim Umgang mit potenziell infiziertem Geflügel und Wildvögeln einzuhalten.

Woher kommt das Geflügelpestvirus H5N8?

Hochpathogenes aviäres Influenzavirus vom Typ H5N8 (HPAIV H5N8) wurde erstmals Anfang 2014 in Südkorea entdeckt. Etwa 12 Millionen Tiere mussten zur Eindämmung der Infektion getötet werden. Aus China und Japan wurden ebenfalls Ausbrüche gemeldet. Zum Jahresende 2014 trat H5N8 in verschiedenen Ländern Europas auf - unter anderem in Deutschland, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich. Auch nach Nordamerika wurde das Virus Ende 2014 verbreitet. Dort vermischte sich H5N8 mit anderen amerikanischen aviären Influenzaviren und infizierte als hochpathogener Subtyp H5N2 etwa 150 Geflügelhaltungen, bevor die Epidemie im Sommer 2015 gestoppt werden konnte. Im Sommer 2016 wurden hochpathogene H5N8 Viren bei Wildvögeln im Süden Sibiriens und seit Ende Oktober auch wieder in europäischen Wildvögeln nachgewiesen. Die derzeit nachgewiesenen Viren sind sehr eng mit denen aus Südsibirien verwandt, unterscheiden sich aber genetisch von den in 2014 nachgewiesenen HPAIV H5N8. Ob sich auch die biologischen Eigenschaften dieser Viren verändert haben, ist noch nicht geklärt. Im Gegensatz zum Auftreten 2014 scheinen zurzeit eine größere Anzahl und auch andere Arten von Wildvögeln infiziert zu sein. Auch die bisher beobachteten klinischen Erscheinungen sind gravierender. Dies zeigt sich insbesondere in der auffallend erhöhten Sterblichkeit von Reiherenten.

Welche Übertragungswege gibt es?

Eindeutige Einschleppungswege des derzeit in Europa grassierenden HPAIV H5N8 konnten bisher nicht festgestellt werden. Die Beteiligung von Zugvögeln ist aufgrund detaillierter Analysen der Viren des Jahres 2014 sowie des bisherigen Geschehens wahrscheinlich. Für die Einschleppung von aviären Influenzaviren in Nutzgeflügelbestände kommen eine Reihe von Faktoren in Frage. In Freilandhaltungen sind direkte Kontakte des Geflügels mit infizierten Wildvögeln möglich. Aber auch in scheinbar geschlossenen Stallhaltungen kann das Virus durch indirekte Kontakte eingetragen werden: Unter anderem stellen die Einstallung von Tieren, Personen- und Fahrzeugverkehr, Waren, Futter und Wasser, Einstreu Risiken für eine Einschleppung dar. Hierbei wird auch der indirekte Eintrag über etwaig verunreinigtes Futter, Wasser, Gerät oder verunreinigte Einstreu in Betracht gezogen. Bereits Spuren von Kot bzw. Nasensekreten von infizierten Wildvögeln, die nicht sichtbar sind, können für eine Ansteckung ausreichen. Obschon die H5N8-Feststellungen seit einigen Wochen bei Wildvögeln abnehmen, waren gleichzeitig insbesondere in Niedersachsen Puten haltende Betriebe von H5N8 betroffen. Die Identifizierung der Übertragungswege ist von großer Bedeutung um den Eintrag der AIV in Geflügelbestände zu erschweren und um mögliche Biosicherheitslücken zu erkennen und zu schließen. Minister Hauk hat daher die Task Force Tierseuchenbekämpfung Baden-Württemberg um Überprüfung der Biosicherheitskonzepte der Puten haltenden Betriebe gebeten um schon jetzt Vorsorge für mögliche neue Vogelgrippeausbrüche zu treffen. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut hat eine Biosicherheits-Check-Liste für kommerzielle Geflügelbetriebe erstellt. Biosicherheits-Check-Liste 

Welche Maßnahmen hat das Land Baden-Württemberg ergriffen?

Das Land hat vielfältige Maßnahmen ergriffen, um ein Übergreifen des hochpathogenen Vogelgrippevirus H5N8 auf einen Haus- oder Nutztiergeflügelbestand zu vermeiden. Aktuell konnte die Aufstallungspflicht in den zuletzt festgelegten Risikogebieten aufgehoben werden. Dennoch gilt es zum Schutz aller Geflügelhalter besonders achtsam und sorgfältig zu sein.

Folgende Maßnahmen hat das Land zum Schutz der Vogel- und Geflügelbestände ergriffen:

  • Festlegung von Risikogebieten
  • Um das Hausgeflügel bestmöglich zu schützen, muss das Geflügel in Risikogebieten in den Stall. Es gilt hier die so genannte risikoorientierte Aufstallungspflicht.
  • Das Geflügel ist in geschlossenen Ställen oder unter einer Vorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und mit einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss (Schutzvorrichtung), unterzubringen.
  • In den Risikogebieten Baden-Württembergs gelten zusätzlich besondere Biosicherheitsmaßnahmen, wie zum Beispiel das Tragen von Schutzkleidung in den Ställen, kein Zugang betriebsfremder Personen, sorgfältige Einhaltung von Desinfektionsmaßnahmen, intensives Beobachten des Gesundheitszustandes der Tiere auch in Kleinstbeständen und bei Auffälligkeiten sofortige Zuziehung des Haustierarztes.
  • Der Minister hat auch in den übrigen Landkreisen die Halter von Geflügel aufgefordert, die Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten.
  • In Absprache mit der unteren Jagdverwaltung sind Jäger angehalten, entlang von Flüssen und Seen ein besonderes Augenmerk auf tote Vögel zu haben und Funde sofort dem zuständigen Veterinäramt zu melden.
  • Innerhalb der betroffenen Gebiete und im Bereich von Seen und Flüssen, die zu den bevorzugten Rast- und Ruheplätzen von den bisher befallenen Vögeln, vor allem aber von Graugänsen gehören, wird das Einsammeln von Kotproben angeordnet.

Was hatte es mit der risikoorientierten Stallpflicht auf sich?

Auf Grundlage der jeweils aktuellen Entwicklung des Wildvogelgeflügelpestgeschehens in Baden-Württemberg, der aktuellsten Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts und der Vogelwarte Radolfzell wurden Risikogebiete festgelegt und in diesen durch Allgemeinverfügungen ab 17. November 2016 die Stallpflicht angeordnet. Die Risikogebiete wurden seit November 2016 vier Mal nach oben stehenden Kriterien bewertet und festgelegt. Die letzte risikoorientierte Stallpflicht (16. März 2017 bis 20. April 2017) ermöglichte vielen  gehaltenen Vögeln den Freigang und bedeutete eine deutliche Reduzierung der Aufstallungsgebiete.
Unabhängig  von dieser letzten Bewertung konnten Eier von Hühnern, bei denen die Stallhaltung angeordnet wurde, weiterhin als Freilandeier vermarktet werden. Auch Geflügel durfte weiterhin als Freilandgeflügel verkauft werden, trotz der geltenden Aufstallungspflicht in den benannten Gebieten.

Nach der aktuellen Bewertung der Vogelgrippeentwicklung ist seit dem 21. April 2017 in Baden-Württemberg die Stallpflicht aufgehoben.

Ist/War in Baden-Württemberg bereits Nutzgeflügel betroffen?

Nein, bisher wurden die H5N8 Viren ausschließlich bei Wildvögeln und in einer zooähnlichen Haltung (Ausbruch wurde aufgehoben) nachgewiesen. In der Wildvogelpopulation hat sich das AIV allerdings auch innerhalb der Arten verbreitet. So waren nicht mehr nur Reiherenten, sondern zum Beispiel auch Tafelenten, Haubentaucher, Schwäne, Möwen, Krähen und eine Graugans betroffen.

Was können Geflügelhalter tun, um ihre Bestände vor Vogelgrippe zu schützen?

Auch in Zukunft sollten alle Geflügelhalter im Land ihre Biosicherheitsmaßnahmen –allgemeine Hygiene-, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, auch unter Einbeziehung der Kleidung – intensivieren und den Personenverkehr auf den Höfen möglichst einschränken. Darüber hinaus sollte streng darauf geachtet werden, dass die oben genannten Biosicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Geflügelhalter sollten außerdem direkte und indirekte Kontaktmöglichkeiten zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel verhindern. Hieran sollten sich alle Geflügelhalter orientieren, auch wenn sie keinem Aufstallungsgebot unterliegen. Die Eilverordnung des Bundes vom 21. November 2016 gilt noch bis einschließlich 20. Mai 2017 auch für Kleinstgeflügelhaltungen.

Wie erkennen Geflügelhalter, ob ihr Nutzflügelbestand infiziert ist?

Von der Ansteckung mit dem aviären Influenzavirus bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) vergehen Stunden bis wenige Tage. Die Erkrankungserscheinungen können sehr vielfältig sein und sind oft wenig typisch. Enten und Gänse erkranken oftmals weniger schwer, die Krankheit führt bei diesen Tieren nicht immer zum Tod und kann bei milden Verläufen gänzlich übersehen werden. Symptome bei Hühnervögeln sind unter anderem: Schnell fortschreitende Teilnahmslosigkeit, Verweigerung von Futter und Wasser, Atemnot, Niesen, Ausfluss aus Augen und Schnabel, wässrig-schleimiger grünlicher Durchfall, Zentralnervöse Störungen (abnorme Kopfhaltung, Gleichgewichtsstörungen), Wassereinlagerungen (Ödeme) am Kopf, Blutstauung oder Unterhautblutungen mit blau-roter Verfärbung an Kopfanhängen und Füßen. Plötzliches Aussetzen/Abfallen der Legeleistung oder dünne, verformte Eier. Die Erkrankungs- und Sterberate ist bei Hühnern und Puten am höchsten.

Wie sollten Geflügelhalter reagieren, wenn sie Verdacht auf Vogelgrippe haben?

Bei Verdacht auf Geflügelpest ist das zuständige Veterinäramt sofort zu informieren. Heilversuche sind verboten. Der Verdacht auf Geflügelpest liegt nahe, wenn innerhalb von 24 Stunden in einem Geflügelbestand erhöhte Verluste oder eine erhebliche Veränderung der Legeleistung oder der Gewichtszunahme auftreten. Der Tierhalter hat dann unverzüglich durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit dem hochpathogenen oder niedrigpathogenen aviären Influenzavirus durch geeignete Untersuchungen ausschließen zu lassen.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun, wenn Sie einen toten Vogel in freier Wildbahn finden?

Tote Vögel sollten auf keinen Fall berührt werden. Wer einen toten Vogel findet, wendet sich an das jeweils zuständige Bürgermeister- oder Landratsamt.

Besteht ein Gesundheitsrisiko durch Geflügelprodukte für die Verbraucher?

Infektionen des Menschen mit H5N8 sind bisher nicht bekannt. Eine Übertragung des Erregers (H5N8) über infizierte Lebensmittel ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.
Das hierfür zuständige Bundesinstitut für Risikobewertung stellt dazu Informationen auf seiner Internetseite www.bfr.bund.de zur Verfügung.


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