„In Anbetracht des fortschreitenden Klimawandels sowie zunehmenden Markt- und Preisvolatilitäten steht unsere heimische Landwirtschaft vor wachsenden Herausforderungen. Der zurückliegende Hitzesommer, aber auch geopolitische Entwicklungen zeigen uns die Bedeutung von Ernährungssicherheit auf. Wir brauchen eine starke Landwirtschaft, die unsere Ernährung sichert und unsere vielfältige Kulturlandschaft erhält. Das muss ebenso in der neuen GAP ab 2028 Berücksichtigung finden, wie die Entwicklung unseres Ländlichen Raums. Der Internationale Agrarkongress war eine nachdrückliche Gelegenheit im Rahmen des Landwirtschaftlichen Hauptfests aktuelle Themen der Landwirtschaft aufzugreifen. Diese wertvollen und inspirierenden Eindrücke nehmen wir für die Verhandlungen zur GAP mit und lassen sie in die politische Ausgestaltung einfließen“, sagte die Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges MdL im Nachgang zum Internationalen Agrarpolitischen Kongresses in Stuttgart, der in diesem Jahr am Freitag (02. Oktober) im Rahmen des 102. Landwirtschaftlichen Hauptfestes stattfand.
Internationales besetztes Podium diskutiert die Zukunft der Landwirtschaft in Europa
Unter dem Leitmotiv ‚Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028 im Sinne von Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit‘ kamen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Europa, dem Bund und den Ländern zusammen. Mit dabei waren unter anderem Kathrin Maria Rudolf von der Europäischen Kommission, Norbert Lins MdEP, stellvertretender Vorsitzender des Agrarausschusses des Europäischen Parlaments, und Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes.
Die hochrangigen Vertreter haben sich über die aktuelle und perspektivische Agrarpolitik ausgetauscht: Dabei spielten die Finanzausstattung, Strukturen, Fragen zur Regionalität und zum notwendigen gemeinsamen Rahmen eine zentrale Rolle. Die Beteiligten waren sich einig und machten deutlich, dass der Weg über die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe führt. Die steigende Bedeutung des Risikomanagements in Zeiten eines sich verändernden Klimas sowie die Frage nach Degression sowie zur Kappung von Fördermittel standen ebenso im Mittelpunkt der Diskussion.
Ministerin Marion Gentges MdL betonte die zentrale Bedeutung der heimischen Lebensmittelproduktion und die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft. „Landwirtschaft ist ein hochkomplexer Wirtschaftszweig. Es kommt entscheidend auf die Menschen an, die diesen Wirtschaftszweig mit Leben erfüllen. Deshalb müssen wir den Anliegen und Bedürfnissen dieser Menschen gerecht werden“, betonte die Ministerin. Die GAP müsse als Sicherheitsfaktor in Sachen Lebensmittelversorgung verstanden werden und gleichzeitig Antworten auf regionale Besonderheiten liefern können. „Geopolitische Auseinandersetzungen haben direkte Auswirkungen auf Europa. Diesen können wir durch eine durchdachte GAP entschieden entgegenwirken und so die Lebensmittelversorgung in Europa nachhaltig stärken“, so die Ministerin. Außerdem könne die GAP einen entscheidenden Beitrag für die Produktion von erschwinglichen Lebensmitteln von größter Qualität liefern:
„Wenn die Gesellschaft Anforderungen an die Qualität und an die Rahmenbedingungen, wie Lebensmittel produziert werden, stellt, aber mit Blick auf den Preis ein GAP, also eine Lücke bleibt, muss GAP diesen GAP schließen“ so die Ministerin.
Die GAP biete einen einheitlichen Rahmen, um europaweit faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Gleichwohl müssten die regionalen Unterschiede bei der Ausgestaltung der GAP Berücksichtigung finden. „Brüssel definiert den Rahmen über einheitliche Standards und Budgets. Die Regionen aber müssen entscheiden können, wie das Bild der GAP in diesem Rahmen gezeichnet wird. Baden-Württemberg setzt sich deshalb für eine eigenständige und regional gestaltbare Agrarförderung ein, die unseren Betrieben verlässliche Planung ermöglicht“, betonte Gentges. Durch eine starke Zweite Säule könnten Innovation, Arbeitsbedingungen und strukturelle Maßnahmen im Ländlichen Raum wesentlich vorangebracht werden.
Generationswechsel und Hofnachfolge sichern
In einer weiteren hochrangig besetzten Podiumsrunde diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Baden-Württemberg und weiteren europäischen Regionen über ‚Chancen und Herausforderungen für die nächste Generation‘. Im Mittelpunkt standen Themen rund um die Hofnachfolge, den Berufseinstieg in der Landwirtschaft und die Rahmenbedingungen für junge Menschen, die einen landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen und weiterentwickeln möchten. Auf dem Podium trafen politische und landwirtschaftliche Akteure aus Bayern, Frankreich und Polen auf junge Landwirtinnen und Landwirte aus Baden-Württemberg und Tirol.
„Wenn wir junge Menschen für den Beruf des Landwirts gewinnen wollen, dann müssen wir ihnen gute Rahmenbedingungen bieten“, betonte Gentges. Junge Menschen, die einen landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen und weiterentwickeln möchten, bräuchten verlässliche Perspektiven für ihren Berufseinstieg.
Die Diskussion zeigt, welche Herausforderungen eine erfolgreiche Hofübergabe mit sich bringt und wie Politik und Gesellschaft junge Menschen bei der Weiterführung landwirtschaftlicher Betriebe unterstützen können. Zugleich wurde deutlich, dass der Generationswechsel viele Regionen Europas vor ähnliche Herausforderungen stellt und der internationale Austausch wichtige Impulse liefern kann.
Insgesamt rund 300 Expertinnen und Experten aus Politik, Forschung, Verwaltung und Verbänden aus dem In- und Ausland waren der Einladung zum Agrarkongress gefolgt.


