Klimaschutz in Baden-Württemberg ist so vielseitig wie unsere Landschaft.
Im Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz des Landes (KlimaG BW) sind sieben Sektoren festgelegt, denen die Treibhausgas-Emissionen zugeteilt werden: Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und LULUCF (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft),. Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ist für den Sektor Landwirtschaft sowie den Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (kurz: LULUCF) verantwortlich. Durch unsere Aktivitäten in der Landwirtschaft und im Wald tragen wir in diesen beiden Sektoren und darüber hinaus insbesondere in den Sektoren Energie und Gebäude zum Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel im Land bei.
Die jährlichen Emissionsmengen von Treibhausgasen (THG) aus allen anthropogenen Quellen werden in der Klimabilanz erfasst. Über sie wird nach den Vorgaben des Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz des Landes (KlimaG BW) berichtet. In der Klimaberichterstattung enthalten sind sowohl die Gesamtemissionen, die als CO2-Äquivalente ausgewiesen werden, als auch Emissionszahlen für die Einzelsubstanzen (u.a. Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas).
Baden-Württemberg hat das ehrgeizige Ziel bis 2040 netto-treibhausgasneutral zu werden. Bis zum Jahr 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen daher um mindestens 65 Prozent, im Vergleich zu den Gesamtemissionen des Jahres 1990, reduziert werden.
Um dieses Ziel zu erreichen tragen alle sieben Klimaschutzsektoren zur Vermeidung und Reduzierung der Emissionen bei. Die Verantwortung für die Sektoren liegt bei den unterschiedlichen Ministerien der Landesregierung.
Landwirtschaft und Forstwirtschaft tragen zum Klimaschutz bei, sind aber gleichzeitig besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. In beiden Sektoren stehen neben dem menschlichen Handeln die verschiedenen Ökosysteme im Fokus. Die Ökosysteme werden durch biotische Faktoren (Tiere, Pflanzen, Pilze), abiotische Faktoren (Wasserverfügbarkeit, Temperatur, Stürme etc. ) sowie Stoff- und Energiekreisläufe (Nährstoffe, etc.) beeinflusst. Dieses komplexe Zusammenspiel an Prozessen und Wechselwirkungen ist eine Besonderheit der beiden Sektoren und unterscheidet sie in vielen Aspekten von anderen Klimaschutzsektoren.
Die Landwirtschaft in Baden- Württemberg ist vielseitig und erfüllt wichtige Funktionen. Sie sichert unsere Versorgung mit regionalen und hochwertigen Lebensmitteln. Außerdem ist sie unabdingbar für den Erhalt der Biodiversität, prägt die Kulturlandschaft und trägt zur Energiewende bei.
Die Besonderheit der Landwirtschaft in Baden-Württemberg: Die Kleinstrukturiertheit vieler Flächen, die Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause gibt und die unser Landschaftsbild prägt.
In der Landwirtschaft entstehen natürliche Emissionen (insbesondere Methan und Lachgas). Im Klimaschutzsektor Landwirtschaft werden die Emissionen bilanziert, die bei den folgenden landwirtschaftlichen Prozessen entstehen:
- Verdauungsprozesse von Wiederkäuern,
- Ausbringung von mineralischen und organischen Düngern auf landwirtschaftlichen Böden,
- Lagerung von Wirtschaftsdüngern wie Gülle und Mist,
- Vergärungsanlagen, wie z.B. Kompost oder Biogasanlagen,
- Anwendung von Harnstoff- und Kalkdünger und
- landwirtschaftlicher Verkehr.
Weitere Aktivitäten der Landwirtschaft fließen in andere Klimaschutzsektoren ein, zum Beispiel Erneuerbare Energien der landwirtschaftlichen Betriebe (Sektor Energie) oder die landwirtschaftliche Nutzung von Ackerland und Grünland (Sektor LULUCF).
Gleichzeitig gibt es in der Landwirtschaft viele Chancen für den Klimaschutz. Gemeinsam arbeiten das Land und die Landwirtinnen und Landwirte daran, Emissionen zu verringern und das Klima zu schützen. Durch die Förderung und Unterstützung von Agrarumweltprogrammen, Projekten, Wissenstransfer und Netzwerken bringen wir gemeinsam den Klimaschutz in BW voran.
Für unsere Landwirtschaft, für unser Klima und für uns alle.
Im Klimaschutzsektor LULUCF werden menschlich verursachte Treibhausgasemissionen berichtet, die infolge von Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Land Use, Land-Use Change and Forestry) auftreten.
Die Treibhausgasemissionen werden in den Landnutzungskategorien Wald, Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete und Siedlungen erfasst. Hierzu werden die Änderung der Kohlenstoffspeicher in organischen und mineralischen Böden, ober- und unterirdischer Biomasse sowie Totholz und Streu in die Berechnung einbezogen (inventarisiert).
Im LULUCF-Sektor können die Kohlenstoffspeicher sowohl als Quelle (Freisetzung von Emissionen → „positive“ Emissionen) von Treibhausgasen als auch als Senke (Kohlenstoffbindung → „negative“ Emissionen) für CO2 wirken.
Der Klimaschutzsektor LULUCF ist einzigartig, da durch die Ökosysteme und die Landnutzung CO2 aus der Atmosphäre entzogen werden kann. Die jährliche Treibhausgas-Bilanz des Sektors LULUCF wird maßgeblich durch die Landnutzungskategorie Wald beeinflusst. Auch äußere Faktoren wie das Klima wirken sich stark auf die Landnutzungskategorien des Sektors LULUCF aus, weshalb seine Emissionen auf natürliche Weise im Zeitverlauf schwanken. Gleichzeitig liefert er wichtige Beiträge zum Klimaschutz:
- CO2 wird als Kohlenstoff in der Biomasse der Bäume (Blätter, Holz, Wurzeln) durch das Wachstum gebunden. Eine naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung stärkt den Wald und den Klimaschutz.
- Der Einsatz von Holz als Bau- und Werkstoff vergrößert den Kohlenstoffspeicher. Das heißt der Kohlenstoff bleibt länger auf unserer „Erde“ gebunden, bevor er wieder in die Atmosphäre ausgestoßen wird. Zugleich werden durch den Einsatz von Holz als Baustoff Treibhausgas-Emissionen aus der Produktion von mineralischen Baustoffen wie etwa Zement vermieden.
- In Ackerland und Grünland sind große Mengen an Kohlenstoff gespeichert. Durch verschiedene Methoden der Bewirtschaftung kann die Freisetzung von Treibhausgasen vermieden und die Treibhausgas-Speicher der Böden erhalten und zum Teil weiter aufgebaut werden.
Mehr zur Speicherung von Treibhausgasen im Sektor LULUCF, zu den langfristig ausgerichteten Maßnahmen des Ministerium Ländlicher Raum und zum Klimaschutzbeitrag des Holzbaus finden sich auf der Themenseite: Wald, Holz und Boden: Der LULUCF Sektor [Verlinkung]
Die Klimaschutzberichterstattung zeigt im Sektor LULUCF eine jährliche Momentaufnahme eines sehr dynamischen Systems. Vereinfacht dargestellt werden zur Berechnung der jährlichen Treibhausgas-Bilanz des Sektors LULUCF die Menge an Treibhausgasen, die durch alle Flächenkategorien (Wald, Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete,...) aus der Atmosphäre entzogen werden, den Emissionen gegenübergestellt, die von den Flächen wieder an die Atmosphäre abgegeben werden.
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Am Beispiel des Waldes kann man sich diese Berechnung ungefähr wie eine Badewanne vorstellen:
In die Badewanne fließt fortlaufend Wasser hinein und über einen offenen Abfluss fließt gleichzeitig beständig eine geringe Menge Wasser ab. Überträgt man dieses Bild auf den Zuwachs des Waldes bedeutet es:
Der Wald entzieht der Luft kontinuierlich CO2 (Zufluss der Badewanne).
Der Wald speichert den Kohlenstoff aus dem CO2 in Blättern, Holz und Wurzeln ( Momentaufnahme des Füllstands der Badewanne).
Sobald Bäume absterben, oder wenn Holz geerntet wird, verlässt der gespeicherte Kohlenstoff das „System Wald“ Abfluss der Badewanne).
Wenn der „Zufluss“ größer ist als der „Abfluss“, dann nennt man dies „Senke“. Der Füllstand der Badewanne oder der sogenannte Waldspeicher für Kohlenstoff hätte in einem solchen Jahr zugenommen.
Wenn der Abfluss jedoch größer ist, dann wird dies als „Quelle“ bezeichnet. Der Füllstand der Badewanne bzw. der Waldspeicher hätte also abgenommen.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald, das Alter der Bäume, die Holzernte und der Waldumbau beeinflussen den Zu- und Abfluss. So schwankt die Treibhausgas-Bilanz des Waldes jährlich.
Wichtig ist aber, egal ob Quelle oder Senke, der Wald entzieht der Luft kontinuierlich CO2. Deshalb führen wir in Baden-Württemberg gemeinsam mit den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern auch unsere langfristigen Maßnahmen durch, um den Wald in seiner Gesundheit zu stärken und an die veränderten Bedingungen des Klimawandels anzupassen. Denn nur gesunde Bäume und Wälder können der Luft viel CO2 entziehen.
Wie der Wald, die landwirtschaftlichen Böden (Ackerland und Grünland), Moore und unser Holz zum Klimaschutz beitragen und wie wir diesen Beitrag stärken, finden Sie hier [Verlinkung zu: Wald, Boden und Holz: Der LULUCF Sektor].
In den Landnutzungskategorien Ackerland und Grünland ist Kohlenstoff im Boden gespeichert. Sie werden im Klimaschutzsektor LULUCF bilanziert, da ihre Bewirtschaftung und die Umwandlung in andere Nutzungsarten zu Veränderungen des Bodenkohlenstoffs führen kann. Die internationalen Vorgaben des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, deutsch: Weltklimarat) und der EU LULUCF-Verordnung schreiben daher vor, dass Ackerland und Grünland im Sektor LULUCF bilanziert werden.
