Forst

Erster Luchsnachwuchs nach 200 Jahren: Luchskätzchen in Baden-Württembergs Wäldern

Ministerin Marion Gentges MdL: „Der erste Luchsnachwuchs nach 200 Jahren in Baden-Württemberg ist ein großer Erfolg für das Auswilderungsprojekt“

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Luchsjunges

„Das Luchsmonitoring liefert uns wichtige Erkenntnisse zur Verbreitung und Populationsgröße der Luchse im Land und bildet eine wichtige Grundlage und Entscheidungsbasis für das Luchsmanagement. Aktuell sind mindestens elf Luchse in Baden-Württemberg bekannt. Es freut mich sehr, dass es dem Monitoring-Team des FVA-Wildtierinstituts in der vergangenen Woche gelungen ist, den ersten Luchsnachwuchs im Land zu bestätigen. Anhand der Telemetriedaten wurde die Wurfhöhle von Luchskatze Elisabeth gefunden, die Ende September ausgewildert wurde. Damit haben wir einen wichtigen Meilenstein im Projekt der Bestandsstützung erreicht und wir können erstmals nach 200 Jahren wieder Luchsnachwuchs im Land begrüßen. Das ist ein großartiger Erfolg für den Artenschutz und das Bestandsstützungsprojekt ‚Luchs Baden-Württemberg‘, das ein nachhaltiges Luchsvorkommen im Land aufbauen will. Dieser Erfolg zeigt, welche große Bedeutung dem kontinuierlichen Luchsmonitoring sowie der Bestandsstützung der Tiere zukommt, dass die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) im Auftrag des Ministeriums sehr sorgfältig und zuverlässig durchführt“, sagte die Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges MdL, am Montag (22. Juni) in Stuttgart.

Ein wichtiger Meilenstein ist erreicht

„Für die FVA ist das ein großer Erfolg, auf den unsere Fachleute gemeinsam mit unseren Partnern über Jahre hinweg mit großem Engagement hingearbeitet haben“, sagte Prof. Dr. Ulrich Schraml, Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. „Unser Team konnte das Jungtier untersuchen. Es ist gesund und munter“, so Schraml. Genetische Proben werden voraussichtlich bald Aufschluss über die Vaterschaft geben.

Weitere Nachrichten aus dem Luchsmonitoring:

Luchskatze Verena trifft auf Kuder Reinhold

Erst kürzlich wurde den Luchs-Expertinnen und -Experten der FVA ein besonderes Luchs-Highlight gemeldet: Aufnahmen auf Gemeindefläche Forbach (Landkreis Rastatt) zeigten sowohl Luchskatze Verena als auch Luchskuder Reinhold gemeinsam auf einer Bilderserie. Beide Luchse wurden Ende 2024 im Rahmen des Projektes ‚Luchs Baden-Württemberg‘ zur Stützung des Bestandes im Nordschwarzwald ausgewildert.

Luchse leben einzelgängerisch und treffen sich nur zur Verpaarung in der sogenannten Ranzzeit, die von Februar bis April dauert. Ob auch aus dieser möglichen Verpaarung Nachwuchs hervorgeht, können erst weitere Nachweise zeigen.  

Zwei weitere Tiere im Schwarzwald sesshaft

Luchskatze Elisabeth, die im Herbst 2025 im Nordschwarzwald ausgewildert worden war, gilt erst seit kurzem als territorial oder sesshaft: Nachdem sie zunächst zwei Monate im Gebiet des Auswilderungsortes östlich der Murg geblieben war, querte sie das Murgtal und ließ sich westlich der B500 nieder. Die Telemetriedaten, die ihr Sendehalsband liefert, zeigen: Seitdem ist sie diesem Gebiet treu geblieben. Als sesshaft gilt ein Luchs, wenn er mindestens über ein halbes Jahr hinweg in einem Gebiet nachgewiesen werden konnte.

Fotofallenbilder aus Ühlingen-Birkendorf sowie aus Höchenschwand (Landkreis Waldshut) konnten außerdem ein weiteres territoriales Tier bestätigen: B3015, dessen Herkunft und Geschlecht bisher nicht bekannt sind, fühlt sich im Südschwarzwald heimisch. Seine bisherigen Nachweise erstrecken sich über das Gebiet zwischen Schluchsee, Ühlingen-Birkendorf und Todtmoos.

Mindestens ein neuer Luchs in den Schwarzwald zugewandert

Die genetische Analyse von Rissabstrichen an einem Beutetier auf Gemeindefläche Bühlertal (Landkreis Rastatt) Anfang April ergab einen neuen Luchs: den bisher noch unbekannten Kuder BW_LL025m. Weitere Informationen wie das Fleckenmuster oder die Herkunft des Kuders, sind noch unbekannt.

Eine Fotofallenmeldung von Anfang Juni aus der Gemeinde Löffingen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) zeigte zudem einen Luchs mit bisher unbekanntem Fleckenmuster. Die FVA steht nun in Kontakt mit den Schweizer Kolleginnen und Kollegen um zu klären, ob dieses Individuum dort möglicherweise bereits bekannt ist. Ob es sich bei dem genetischen Nachweis und dem Fotofallenbild um zwei verschiedene Luchse handelt, kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht sicher bestätigt werden.

Benennung von Luchsen

Luchse haben ein individuelles Fleckenmuster, das ähnlich wie der menschliche Fingerabdruck einzigartig ist. Sind die Fleckenmuster beider Körperseiten bekannt, so erhalten diese Luchse eine laufende Nummer, etwa B3015. Werden Luchse im Rahmen des Luchsmonitorings gefangen und besendert, erhalten sie traditionell einen zusätzlichen Rufnamen. Wenn ein Individuum nur genetisch über die Senckenberg-Datenbank bekannt ist, erhält es eine landesspezifische Kennung mit einer fortlaufenden Nummer sowie einem Geschlechtskürzel: BW_LL025m (LL steht für die wissenschaftliche Bezeichnung Lynx lynx).

Hintergrundinformationen

Das Projekt ‚Luchs Baden-Württemberg‘

Um das Luchsvorkommen im Land zu stärken, wurde 2023 das Projekt ‚Luchs Baden-Württemberg – Bestandsstützung der Luchsvorkommen in Baden-Württemberg und den angrenzenden Regionen‘ ins Leben gerufen. Ziel ist es, durch die gezielte Auswilderung von genetisch geeigneten Luchsen ein nachhaltiges Luchsvorkommen in Baden-Württemberg aufzubauen. Die Besenderung von Luchsen und das Monitoring sind wichtige Bausteine, um die Rückkehr der Luchse wissenschaftlich zu begleiten.

Ein weiteres Ziel ist der Austausch des Bestands in Baden-Württemberg mit den Luchsen im Pfälzer Wald, den Vogesen und dem Jura-Gebirge – so kann ein vernetztes Vorkommen entstehen, was zum Erhalt der Tierart Luchs in ganz Mitteleuropa beiträgt.

Die FVA hat die Projektleitung inne und arbeitet in enger Kooperation mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF Deutschland und dem Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe sowie der Luchs-Initiative Baden-Württemberg zusammen. Das Projekt wird durch die alosa Stiftung unterstützt. Auftraggeber ist das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg.

Die in Baden-Württemberg ausgewilderten Luchse stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Karpatenluchse, welches durch die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) koordiniert wird.

Das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ wird vom Expertinnen- und Experten-Netzwerk Linking Lynx begleitet, dass sich mit der Erhaltung, dem Monitoring und dem Management des Karpatenluchses beschäftigt.

Zum Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ im Wildtierportal BW  

Informationen rund um den Luchs

Das Luchsmonitoring an der FVA

Wie ist das Luchsmanagement in Baden-Württemberg aufgebaut?