Welche Posts von Freunden, Nachrichten, Werbung werden mir angezeigt? Das entscheiden soziale Netzwerke mit Algorithmen ganz automatisch. Aber: Man kann sie teilweise abschalten. Wir zeigen, wie.
Soziale Medien würden ohne Mechanismen aus dem realen Leben nicht funktionieren – denn sie bilden menschliche Beziehungen digital ab. Mehr noch: Sie gewichten sie. Und genau hier kommen Algorithmen ins Spiel. Abhängig davon, wie häufig Personen in Kontakt stehen, welche Beiträge von welchen Kontakten man liked, teilt oder kommentiert und wie viel Zeit man mit dem sozialen Netzwerk verbringt, entscheiden darüber, welche Beiträge man von Freunden sieht und welche nicht.
Das Maß an Interaktion entscheidet also über den Grad an Sichtbarkeit: Je mehr Interaktion zwischen zwei Nutzern stattgefunden hat, desto höher stuft der Algorithmus das gegenseitige Interesse ein. Es werden überwiegend Beiträge angezeigt, auf die man als Nutzer oft reagiert hat, neue Themen oder gegenteilige Meinungen sind so gut wie nie darunter. Der Algorithmus präsentiert das, was Nutzerinnen und Nutzer interessiert. Likes verraten es schließlich – oder das Lesen von Artikeln, die man liken kann, denn: Ist man etwa bei Facebook eingeloggt, während man surft, weiß die Plattform, wo man sich bewegt, sofern auf den besuchten Seiten ein Like-Button eingebunden ist.
Die Interessen der Nutzerinnen und Nutzer sind nicht die einzige Datengrundlage für Social-Algorithmen: Je mehr Nutzerinnen und Nutzermit einem Beitrag interagieren – ihn also kommentieren oder teilen, desto stärker wird er vom Algorithmus gewichtet. Falschmeldungen („Fake-News“) oder Hasskommentare („Hate-Speech“) werden deshalb teilweise bevorzugt vom Algorithmus verbreitet. Nicht umsonst unterhalten die Social-Media-Plattformen eigene Teams, die sich darum bemühen, Fake-News und Hate-Speech von den Plattformen zu verbannen.
Der Nutzungsgrad der Plattformen ist ebenfalls ein Faktor, der zur Entscheidung beiträgt, welche Beiträge angezeigt werden: Posts von denjenigen, die die Plattform intensiv nutzen, werden besser platziert als solche von passiven Social-Media-Nutzern.
Es braucht ein Bewusstsein dafür, dass es diese automatisierten Entscheidungen gibt – und mit ihnen Teil-Öffentlichkeiten, Filterblasen und Co. „Zusätzlich gibt es Möglichkeiten, Voreinstellungen zu machen in den Sozialen Medien, dass nicht immer alles getrackt wird“, so Jessica Heesen, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Medienethik und Informationstechnik an der Universität Tübingen. Damit fällt es Algorithmen schwerer, Filterblasen zu schaffen. Wie diese Möglichkeiten aussehen und was jeder Einzelne noch tun kann, um den Einfluss von Filterblasen zu minimieren, erklären wir.
So mache ich mich #unberechenbar auf Social Media
1. Umfassend und kritisch informieren
Die Social-Media-Nachrichtenlage alleine zu verfolgen, reicht nicht. Etablierte Qualitätsmedien, wie Nachrichtenmagazine, Zeitschriften, Zeitungen, Fernseh- oder Radiosender sollten ergänzend genutzt werden, ob online, per App, Radio, Fernsehen oder Zeitung. Dort arbeiten Journalistinnen und Journalisten, die einer Sorgfaltspflicht unterliegen und ihr Handwerk gelernt haben. Prüfen Sie die Nachrichten auf Social Media gründlich: Wohin führt der Link? Ist die Quelle vertrauenswürdig? Ein Blick ins Impressum der verlinkten Seite hilft meistens. Seien Sie vorsichtig bei Fotos: Am sichersten ist es, das Bild aus den Social Media Plattformen auf dem Rechner abzuspeichern und damit beispielsweise auf Google eine umgekehrte Suche durchzuführen. So erkennen Sie ganz einfach, ob ein Bild aus dem Kontext gerissen wurde oder nicht. Bedenken Sie, dass Bilder mittlerweile auch KI-generiert sein können.
2. Social Media bewusst nutzen
auf Pinterest gewesen? Danach abmelden bzw. die App schließen! Ist die App weiter im Hintergrund geöffnet oder läuft Facebook in einem anderen Browsertab weiter, merkt sich die Plattform das Surf-Verhalten – zumindest bei den Seiten, die Like-Buttons von Facebook verwenden – und kann sie mit dem eigenen Nutzeraccount in Verbindung bringen. Zusätzlich sollte ein Tracking-Blocker im Browser installiert sein, um sicherzugehen, dass wenig bis keinerlei persönliche Daten beim Surfen an die Social-Media-Plattformen gehen.
3. Machen Sie Gebrauch von Ihrem „Recht auf Vergessen werden“
Das Recht auf Vergessenwerden ist mittlerweile ausdrücklich in Artikel 17 Abs. 2 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) geregelt. Es bezieht sich dabei unter anderem auf die Ergebnisse bei Suchmaschinendiensten. Betroffene können bei berechtigtem Löschinteresse eine Anfrage gegenüber den Suchmaschinenanbietern stellen, wenn sie einzelne Suchergebnisse, die zu ihrer Person gespeichert sind, nicht aufgelistet sehen wollen. Bei Vorliegen eines begründeten Löschantrags werden lediglich die Suchergebnisse nicht mehr gelistet. Die Löschung der Informationen auf den Websites, die diese Daten listen, muss bei den Betreibern der einzelnen Domains gesondert beantragt werden. Mehr Informationen finden Sie hier.
4. Spurenlos surfen
Um möglichst wenig persönliche Daten preiszugeben, können Sie Ihren Browser in den Inkognito-Modus schalten. Alle gängigen Browser wie Chrome, Firefox oder Safari bieten dies an. Der Browser speichert dann bestimmte Daten nicht mehr ab: Eingegebene Daten in einem Online-Formular, Cookies und besuchte Websites. Wenn Sie wirklich anonym surfen wollen, müssten Sie ein Virtual Private Network (VPN) oder den Tor-Browser nutzen. Weitere Informationen erhalten Sie hier.
5. Nutzungsbasierte Werbung in Social Media deaktivieren
Um nutzungsbasierte Werbung in Social Media zu deaktivieren, müssen Sie die Datenschutz- und Werbeeinstellungen direkt in den Apps (wie Facebook/Instagram über Meta) anpassen, wo Sie Interessen und Aktivitäten reduzieren sowie das Tracking auf Partner-Apps/Websites stoppen können, was meist unter „Einstellungen“ > „Kontenübersicht“ > „Werbepräferenzen“ geschieht. Sowohl bei iOS als auch bei Android können Sie mittlerweile für einzelne Apps festlegen, ob sie Ihr Nutzungsverhalten zu Werbezwecken auswerten dürfen. Eine genaue Anleitung, wie Sie das App-Tracking abschalten können finden Sie hier.
6. Newsfeed-Einstellungen nutzen
Ein Newsfeed (Nachrichtenstrom) ist eine dynamische, automatisch aktualisierte Liste von Inhalten – wie Beiträge, Posts, Bilder oder Videos – die Nutzerinnen und Nutzern personalisiert angezeigt wird. Heute vor allem von Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram, wo der Newsfeed Beiträge von Freunden, abonnierte Seiten und Interessen bündelt, ohne dass man die Seiten einzeln besuchen muss. Um solche Social-Media-Newsfeeds zu deaktivieren, müssen Nutzerinnen und Nutzer die Benachrichtigungseinstellungen oder spezifische Feed-Funktionen (wie Google Discover oder den Facebook-Newsfeed) direkt in der App oder den Systemeinstellungen des Smartphones anpassen, indem sie Benachrichtigungen ausschalten, den Feed verstecken oder "Nicht stören"-Modi nutzen, da es keine universelle "Deaktivieren"-Taste gibt, sondern es je nach App (Facebook, Instagram, Google News etc.) unterschiedliche Wege gibt, z. B. über Profil-Einstellungen > Benachrichtigungen > Push-Nachrichten/E-Mails.
Das sagen die Experten
Prof. Dr. Stefan Funke zum Thema Social Media