Lebensmittelretter

Zahlen und Fakten zur Lebensmittelverschwendung

Die Vereinten Nationen schätzen, dass entlang der gesamten Wertschöpfungskette – also dem Weg vom Acker bis zum Teller – rund ein Drittel der weltweit erzeugten Nahrungsmittel im Müll landen. Deshalb haben sich alle UN-Staaten und insbesondere auch die EU-Mitgliedsstaaten zur Erfüllung des SDG 12.3 (Sustainable Development Goal) der UN verpflichtet, bis 2030 die weltweite Lebensmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren sowie die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Lebensmittelverluste zu verringern. Die Bundesregierung hat hierzu eine Nationale Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung verabschiedet.

Baden-Württemberg bearbeitet die Wertschätzung der Lebensmittel unter dem Dach der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes beim Schwerpunkt Nachhaltiger Konsum. In einem Maßnahmenplan wurden Ansatzpunkte und Maßnahmen auf allen Stufen der Wertschöpfung festgelegt. Wir bringen das Thema „Vermeidung von Lebensmittelverlusten“ an die Öffentlichkeit und schaffen ein Bewusstsein für Lebensmittel und ihren Wert. Selbstverständlich gibt es auch Angebote zum Mitmachen und selbst Ausprobieren. Schon die Kleinsten werden über die Landesinitiative BeKi und den Ernährungsführerschein mit einbezogen. Doch nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher sind Akteurinnen und Akteure im Kampf gegen Lebensmittelverluste. Auch der Lebensmitteleinzelhandel und die Außer-Haus-Gastronomie spielen eine wichtige Rolle. Darum sind auch diese in die Maßnahmen der Landesregierung, die kontinuierlich weiterentwickelt werden, eingebunden: Ernährungsstrategie Baden-Württemberg

Wie viel werfen wir weg?

Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) von 2017, die im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durchgeführt wurde, zeigt, dass in deutschen Privathaushalten insgesamt 4,4 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll laden, das sind pro Jahr mindestens 55 Kilogramm Lebensmittel. Eine Sonderauswertung für Baden-Württemberg gibt Einblicke in die Mengen und die Wegwerfgründe: GfK-Studie Sonderauswertung.

Warum werfen wir so viel weg?

Es wurde zu viel eingekauft, zu viel gekocht oder einfach im Kühlschrank vergessen - Lebensmittel werden aus den unterschiedlichsten Gründen entsorgt. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der Lebensmittel für viele von uns immer und überall und zeitlich unbegrenzt verfügbar sind. Unsere Ansprüche sind hoch, Obst und Gemüse sollten die perfekte Form, Farbe und Größe haben. Alles, was nicht dem Ideal entspricht oder kleine Macken aufweist, landet schneller in der Tonne. Doch leider sind darunter auch viele Lebensmittel, die häufig noch genießbar sind. Unnötige Verluste können schon durch eine bessere Planung, Lagerung oder Resteverwertung verhindert werden. Leider geht auch der Bezug zu unseren Lebensmitteln immer mehr verloren. Viele wissen oft nicht mehr, woher die Produkte kommen, wie sie produziert wurden und wie viel Arbeit und Ressourcen darin stecken.

Welche Ressourcen verbraucht unser Essen? Und welche Auswirkungen hat dies auf die Umwelt?

Bei dem einen sind es die Reste vom Vortag, beim anderen eine schrumpelige Gurke, die weggeworfen wird. Doch zählt man alle Lebensmittel, die im Abfall landen zusammen, entsteht ein großer Berg an Lebensmitteln. In jedem Lebensmittel stecken wertvolle Ressourcen und viel Arbeit. Natürlich gibt es auch unvermeidbare Lebensmittelverluste, wie z.B. die Schälreste einer Kartoffel. Aber viele Lebensmittelverluste lassen sich reduzieren.

Zusammen mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg hat das Verbraucherschutzministerium die BroschüreGut zu wissen - Nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln herausgebracht. Sie informiert kompakt und leicht verständlich über Hintergründe und Folgen von Lebensmittelverschwendung. Sie gibt zahlreiche Tipps zu nachhaltigem Einkauf, der optimalen Lagerung, zum Haltbarmachen von Lebensmitteln und zur Resteverwertung.

Wie wirkt sich unser Verhalten auf die Umwelt aus?

Wer die Lebensmittelabfälle reduziert, der betreibt aktiven Ressourcen- und Klimaschutz, denn die Produktion von Lebensmitteln benötigt wertvolle Ressourcen wie Ackerboden, Wasser und Dünger. Es braucht etwa 1.600 Liter Wasser, bis ein Kilogramm Brot entstanden ist. Für ein Kilogramm Käse sind es mehr als 5.000 Liter und für ein Kilogramm Rindfleisch sogar rund 15.420 Liter. Laut einer Studie des WWF wird eine Fläche von über 2,6 Mio. Hektar mit Agrarrohstoffen angebaut, nur um diese nach der Ernte irgendwo entlang der Wertschöpfungskette zu entsorgen. Dies entspricht fast 15 Prozent der gesamten Fläche, die für die Erzeugung der Agrarrohstoffe für unsere Ernährung benötigt wird. Genauso bedeutsam ist die große Menge an Treibhausgasen, die durch Düngung, Lagerung, Transport etc. freigesetzt werden. Der WWF schätzt die Menge an Treibhausgasen, die durch Lebensmittelverluste entstehen, auf fast 22 Mio. Tonnen: Veröffentlichung der WWF: Das große Wegschmeissen