Tierschutz

Pelz ist untragbar - SARS-CoV-2 Ausbrüche in europäischen Nerzfarmen

Landesbeauftragte für Tierschutz, Dr. Julia Stubenbord

Aufgrund von SARS-CoV-2 Ausbrüchen in europäischen Nerzfarmen stehen Pelzfarmen, also Haltungen von Pelztieren wie Nerzen oder Marderhunden, derzeit zurecht massiv in der Kritik. Aus Tierschutzsicht wird schon lange ein Ende der Haltung von Tieren zur Pelzgewinnung gefordert. Durch die bestehende Gesundheitsgefahr für den Menschen haben mehrere europäische Mitgliedstaaten nun endlich gehandelt und Verbote der Haltung von Tieren zur Pelzgewinnung erlassen. „Allerdings reicht das nicht aus, da diese Verbote teilweise nur vorübergehend sind oder nicht alle Tierarten betreffen. Wir benötigen dringend ein allumfassendes europaweites Verbot zur Haltung und Zucht von Pelztieren. Zusätzlich braucht es Regelungen, die einen Import von lebenden Tieren sowie Rohfellen verbieten“, betont die Landesbeauftragte für Tierschutz, Dr. Julia Stubenbord, am 14. Dezember 2020 und begrüßt daher ein Forderungspapier von über 25 Natur-, Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen aus ganz Deutschland sehr.

In Deutschland gibt es seit dem letzten Jahr zwar keine Pelzfarmen mehr. „Aber viel zu häufig sehe ich Jacken mit Pelzkrägen oder die stets beliebte Bommelmütze aus Pelz. Man muss sich zwei Punkte klarmachen: Erstens befinden sich viele Kleidungsstücke mit Echtpelz im Handel, ohne dass diese vorschriftsgemäß gekennzeichnet sind. So werden solche Kleidungsstücke im Glauben gekauft, dass es sich um Kunstpelz handelt. Hiervon sind vor allem Kleidungsstücke aus dem Billigpreissegment betroffen, da Echtpelz, zum Beispiel von Marderhunden oder von wilden Kojoten, günstiger ist als Kunstpelz. Zweitens sollte sich jeder, der Pelze kauft, darüber im Klaren sein, dass er damit das Leid unzähliger Pelztiere in Kauf nimmt und dieses tierschutzwidrige System unterstützt. Denn die Pelztiere werden in kleinen Käfigen mit Gitterböden ohne jede Rückzugsmöglichkeit oder Beschäftigung gehalten. Alle gehaltenen Pelztiere seien Wildtiere, deren Wohlbefinden selbst bei besseren Haltungsbedingungen auch erheblich beeinträchtigt ist. „Die weißen Nerze sind zudem durch einen Gendefekt taub“, erläutert die Tierärztin Stubenbord. Pelze stammen nicht nur von gehaltenen Tieren, sondern auch von in Freiheit lebenden Wildtieren, die mit Fallen gefangen werden, in denen sie oft tagelang verletzt leiden. „Ob gewollt oder aufgrund von vermeintlichem Unwissen trägt man mit einem solchen Kauf zum Leid von unzähligen Tieren bei, denn die Nachfrage regelt das Angebot. Als gewissenhafter Verbraucher kann man sich schützen, indem man in pelzfreien Warenhäusern einkauft bzw. pelzfreie Marken kauft. Auch kann man selbst prüfen, ob kein Leder unter dem Fell ist und somit sicherstellen, dass es sich nicht um Echtpelz handelt“, erklärt Stubenbord.

Natürlich steht das Handeln des Verbrauchers nicht allein im Vordergrund, sondern auch das der Politik. „Theoretisch wäre es in Deutschland derzeit möglich, eine Pelzfarm zu eröffnen. Daher würde ich ein im nationalen Recht verankertes Verbot, unabhängig des notwendigen Handelns auf europäischer Ebene, sehr begrüßen. Man muss ganz klar aufzeigen, dass es keinen vernünftigen Grund mehr gibt, Tiere zur Pelzgewinnung zu züchten, zu halten und zu töten. Pelz aus solchen Farmen ist ein vermeintliches Luxusgut, welches ethisch nicht zu vertreten und damit inakzeptabel für unsere heutige Gesellschaft ist“, so Stubenbord abschließend.

Das Forderungspapier ist unter https://www.tierschutzbuero.de/wp-content/uploads/2015/12/Forderungspapier_Covid19Pelzfarmen.pdf einsehbar.

Weitere Informationen zur Arbeit der Landesbeauftragten für Tierschutz gibt es unter http://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unser-haus/die-landesbeauftragte-fuer-tierschutz/.

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